Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Esra soll und will aber nicht nur Thora-Jugendbewegung, er twiii u i e Thora-Jugendbewegung sein. Keine organisatorische Bindung an Politik und Parteien darf ihm diese Aufgabe einengen, keiner Gruppe oder Gesellschaft Sonderinteressen dürfen ihn hindern, in seinen Reihen alle die zu vereinen, die das gleiche Ziel sich gesetzt haben; wie das Gesetz selbst nicht vermehrt und vermindert werden darf, so soll auch nicht mehr und nicht weniger als dies Gesetz Richtschnur bei der Auswahl der Menschen und der Aufgaben bilden. Freilich bekennt sich der Esra ideologisch zur Agudas jisroel, denn das gleiche Thoraprinzip liegt auch jener zugrunde; ausdrücklich aber ist festgelegt, daß die Erziehung im Esra unpolitisch sein muß, und daß die Mitgliedschaft in einer jüdischen Organisation mit politischer Betätigung nicht propagiert werden darf (Statut § 3, bzw. Protokoll der Esra-Tagung auf der Homburg 56S5, S. 8). 4. In diesen Tagen endet das erste Jahrzehnt seit Gründung des Bundes: das ist nicht wenig in der Jugendbewegung, deren Phasen nach Halbjahren zählen. Seine Gründer waren Angehörige des Bundes Jüdischer Akademiker und der Agudas Jisroel, denen die Zeit des anhebenden europäischen Umsturzes besonders vergegenwärtigte, daß der Platz der Jugend nicht in Berufs- oder Standesvereinigungeu ist und nicht bei politischen Parteien, sondern nur im umfassenden Jugendbund, der innerhalb des Bezirks seiner Aufgabe nicht die „Kleinstaaterei" politischer Grenzen kennt. Heute hat in fast c^en größeren und vielen kleineren Kehilloth Deutschlands der Bund seine Angehörigen, mehr als einundeinhalbtausend junge Menschen. Oberste Instanz ist der Führertag, der den Bundesleiter wählt; dieser oder der Führertag selbst ernennen die anderen Mitglieder der Leitung. Gegenwärtig liegt die Führung bei einem kleinen Würzburger Kreis, an dessen' Spitze Albert Neuberger steht. In den letzten Jahren ist zur ständigen Einrichtung der Bundestag geworden, bei dem — nie in der Großstadt, sondern gern in romantischer Landschaft — besonders die jüngeren Esräer in großer Zahl sich treffen; Referate werden gehalten, doch der Schwerpunkt liegt in dem Bestreben, wenigstens für diese Tage (und vor allem für einen Sabbat) ein Milieu zu schaffen, i:i dem Thoraprinzip und ,,Jugend-Stil''4' frei vom kleinlichen Drucke des Alltags verwirklicht sind. 5. Dem jungen und jüngsten Esräer sollen die „Jugendblätte ru des Esra von solchem Milieu etwas in die Lektüre hinübertragen, auch hier soll er als Esräer erfaßt werden. Von diesen Blättern sind mir bisher nur die Jahrgänge bekannt, die Louis Levmger herausgegeben hat; diese werden ihrer neuartigen Aufgabe in vollendeter Weise gerecht. Da ist einer neuen Sache wirklich ein neuer Stil geschaffen, möglich 'nur dank der intuitiven Liniuhkmg-gabe eines Führers, der das Mittelmaß an Yer- * ständnis weit hinter sich läßt. — Diese Blätter stellen als pädagogisches Aiittel für ihre Jungens und Mädels die Führer zusammen; für ihre eigenen 'Probleme, für alle Fragen, die diesen Kreis der etwa 17—25jährigen bewegen, haben sie die ,,F ü h r e r s c h a f t s b 1 ä 11 e r'\ Hier zeigt sich — wenn auch wie überall der Pendebnssc hlag heute nicht nicht mehr so groß ist wie in den ersten Xachkrieg-jahren -- die eigentliche Bewegt- 40