Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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ethh-cken Gründen nicht vom Führer übernommen werden (Moralischer Ge-iehtspunki). Aus dein eben Dargelegten folgt, daß der Zioni-mius. v,veit er politische Kcn.-e.juen/.en enthalt, als Bunclesidce des Kadhnah nicht in Enrc-c kommt. Ebensowenig genügt andererseits der Begriff ,.positiv jüdisch* 4t der eine khtre Stellungnahme zu dv*n Fr:g enkomplex nicht enthält. Wir möchten die Bundesidee des KaJimrdi mit dem Begriffe ..NatiomdjudnL-jiii:><f charakterisieren und in folgendem kurz diesen Begriff läutern, obwohl wir wissen, daß Begriffe als solche eine eigene Geschichte haben und erst noch Hinterer Zeit iiir jeden Betrachter das enthalten, was sie schon zu Anfang aussagen sollten. Zunächst ist es wichtig, diesen Begriff von dein des Nationaljudentums zu unterscheiden, da letzterer bereits; eine fest umreißbare Bedeutung hat. Unter Nationaljude verstehen wir gewöhnlich den Träger jüdischer Werte, der meist diese Werte bewußt als Werte seiner eigenen Gruppe (Nation) auffaßt. Nationaljudenuun ist somit der Inbegriff derart aufgefaßter Kulnu v.yi te. Nationaljudaisrnns dagegen ist eine Weltanschauung oder, besser gesagt, ein Bekenntnis. Als solches enthält es: 1. Ein Wissen; dieses bezieht sich auf die Assimilation, sowie auf die hieraus resultierende Judenfrage. 2. Ein Werten; dieses bezieht sich: a) auf die jüdische Kultur (man hält dieselbe für wertvoll!), b) auf psychologische Hemmtingen (man empfind t die Judennot). 3. E i n W ollen; dieses enthält: a) die Bejahung einer Renaissance der jüdischen Gruppe zwecks Erhaltung der jüdischen Kultur. b) die Bejahung einer Renaissance der jüdischen Gruppe zwecks Lösung der J uden not. Man kann den eben erläuterten Begriff am besten verstehen, wenn man sich die oben dargelegte Doppelgestaltigkeit des Begriffes Zionismus \or Augen hält. Zu dem „Nationaljudaisrnns'' fügt die politische Komponente des Zionismus den Weg hinzu, auf dem die erstrebte Renaissance der jüdischen Gruppe durchgeführt werden soll. Wenn das Erziehungsziel des Kadimah als Nationaljudaismus bezeichnet wird, so muß das Erziehungsobjekt Träger dieser Weltanschauung werden. Dieses Ziel wird durch die Vermittlung" jüdischen Wissens und jüdischer Werte erreicht. Daß hierbei gleichzeitig in gewissen Grenzen die Zersetzt;ngsersc 1:ei:\v.ngefi der Assimilation paralysiere werden, ist eine erfreuliche Nebenei >cheini;ng. M:m konnte gegen dieses Bundesziel den Einwand erhoben, daß der /:\in Nationalji:daismus Erzogene mit eiserner Konsequenz zum Zioni>:nuc kommt, da letzterer doch wohl den aussichtsreichsten Versuch einer Renaissance der jüdischen Gruppe bedeutet. Es ist jedoch ein Irrtum, d?.ß diese Konsequenz unbedingt gezogen werden muß. So ist es beispielsweise denkbar, daß jemand, der die Renaissance der jüdischen Gruppe E':r notwendig hält, au der politischen Realisierbarkeit seiner Idee zweifelt