Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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wird. Jugcndkulti;-. einst Zweck und Inhalt der Bünde, wird zum MiÜel ■der Erzieliung unJ zur Form des Bundeslebens. Aus dieser Entwicklung wird auch die Spaltung der Bünde; in Erziehungs- und Aeherenbiinde verständlich. I3er Acltcrenbiind verschreibt sich einer politischen Aufgabe, so der Blau-Weiß dem Zionismus, während der Erziehungsbund eine planvoll auf den Aelterenbimd gerichtete Vorbereitung bezweckt. Schließlich trennen sich die Erziehungsvon den Aelterenbünden: Die durch da.. Scouting zunehmende Betonung einer rein erzieherischen Aufgabe brachte eine Entpoütisienmg der Erziehungsbünde und damit die gegebene Lo<- lösung von den quasi-politischeu Organisationen der Aelteren. Der Kadi in ah beginnt seine Arbeit als ein solcher Nurerziehungsbund. Als die Ursache seines Entstehens werden die mannigfachsten Gründe angegeben, vor allem das „Scheitern des Blau-Weiß". Aus diesem Scheitern werden selbst im Kreise des Kadimali die Grundlagen seiner Idee gefolgert, so daß es den Anschein hat, als sei die Idee des Kadimali lediglich als Reaktion auf eine -historische Tatsache zu begreifen. Hieraus wird auch die Diskrepenz zwischen Ideologie und Realität im Kadimah verständlich. Während nämlich die Arbeit immer einen nationaljüdischen Charakter getragen hat und die Einstellung der Aeherei und der Führer zu 90 °,o persönlich eine zionistische gewesen ist, entwickelt sich die Ideologie von der „Neutralität" über das „positive Judentum", den „Judaismus" zu einer ausgesprochenen Tendenz. Dies« Entwicklung wird bewiesen durch die Resolutionen der einzelnen Tagun gen. So ist es kein Zufall, daß auf dem Bundestage 1927 die Palästina kiausel in die alte Resolution aufgenommen wird. Neben dieser Haupt Strömung gab immer eine zionistische Opposition, die sich zur Aufgab setzte, als offizielles Bundesziel den Zionismus durchzusetzen. Wie muß dieser Kampf zwischen der Opposition und der Richtung die über verschiedene Stationen gehend, sich immer klarer zu einer ji dischen Tendenz bekennt, entschieden werden? Der Kadimah ist ein jüdischer Erziehungsbund. Wir habe also zu untersuchen, was seine jüdische Aufgabe sein muß und was < der Tatsache seiner pädagogischen Bestrebungen schuldig ist. Es wii niemals genügen, lediglich das Wort „jüdisch" zur Klarstellung sein Tendenz zu gebrauchen, da dieser Begriff je nach dem Standpunkt d Betrachters verschieden interpretiert zu werden pflegt. So ist es chara teristisch, daß ein Zionist mit diesem Begriffe nationale und staatlic1 Vorstellungen assoziert, während der Orthodoxe diesen Begriff mit religic kultischen Inhalten füllt. Diese verschiedene Interpretation ist eine Fol, der Assimilation und der im Zusammenhang mit ihr entstandenen Strömu gen innerhalb des Judentums. Es ist möglich, daß der Bund als solch ohne Wertung und Stellungnahme zu den Erscheinungen der Assimilati verbleibt. Sollte nämlich jemand der Meinung sein, daß durch die Af milation das Judentum seinem Untergang entgegengeht und daß wee die Orthodoxie noch der Liberalismus die Übergangserscheinungen wi sarn paralysieren, so müßte er seine jüdische Arbeit geradezu als narad bezeichnen, wenn sie nicht in einer Richtung verläuft; die imstande eine Lösung der Judenfrage zu garantieren. Niemals kann also ein Bt 30