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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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den 20jährigen eine überraschend große Zahl fester Sexualbindungen wüßt.- die zu einem beträchtlichen Teil quasi legitimiert sind. Vielleicht erzähle ich hier nichts Neues. Aber man muß im Kartell diese Tatsache aussprechen und darauf hinweisen: so sind die Jungen, die wir keilen, so leben die jungen Bundesbrüder! Das Fortfallen der Scxualproblematik aber bedeutet eine wesentliche Vereinfachung des ganzen Individu dproblenis. Denn damit ist der Weg frei geworden für eine Problematik ganz anderer Natur, deren genauere Kenntnis womöglich zu einer neuen Auffassung unserer Keilmethoden, zionistischer Propaganda und überhaupt der Organisierung der zionistischen Gemeinschafi führen wird. Es gibt eine Art von Gemcinschaftsproblematik oder, wie ich es hier nennen will, Kollektivprobleniatik, die in faschistischem oder sozialistischen! Gewände' fast alle jungen Menschen heute erfüllt. Es erscheint mir fast unmöglich, daß ein Aelterer und Außenstehender begreift, worum es sieh hierbei handelt. Nur die Parallelität hierzu auch des zionistischen Erlebnisses, das in seinen reifen Formen doch auch ein Erlebnis des Kollektivums voraussetzt, kann vielleicht den Weg hierzu weisen. Der einzelne fühlt sich aufgehen in der Gesamtheit, nicht im Sinne des „Opfers" für die Gemeinschaft (das ist die Art der früheren deutschen Chaluzim), sondern . mit der Vorstellung der schicksalhaften (aber nicht tragischen), untrennbaren Zugehörigkeit. Hierbei sind jedoch Volk, Vaterland, Heimat und weiterhin Judentum, Zionismus nur selten unmittelbare erste Erlebnisse, es sind Erlebnisse einer Gruppe und sie heißen: Fußballmatch, Tanzturnier, Jugendkongreß, Volksgemeinde, Spreehchor und andere Dinge des Sports, der Gesellschaft und der Kleidung, die den Aelteren oft als sehr primitiv erscheinen. Dies sind Themen der Problematik, und ob die Menschen geistig sind oder flach, ob gart oder böse, ob rasch oder bedächtig, das Kollektivum zwingt zur Auseinandersetzung mit sieh. Und hier ist die Quelle des Mißverstehens, von dem im Anfang gesprochen wurde. Weil diese Kollektivproblernatik nicht verstanden wird, weil ihre Formen als primitiv', als 1 icherlich, als ungeistig betrachtet werde!], ohne daß die Bedeutung des Kollektiv z w a n g e s erkannt wird, so ist auch in zionL-tischen Dingen kein Zusammenkommen möglich. Denn wenn Zionismus nicht nur eine parallele Erscheinung-, sondern selbst ein Kollektiv-Phänomen ersten Ranges ist, dann muß diese neue Jugend geradezu prädestiniert dafür sein. Ich glaube in der Tat, daß die Wege der jungen Generation zum Zionismus viel geebneter sind als die Wege der Aelteren. Denn ihre seelische Situation ist, um das Obige kurz zusammenzufassen, unproblematischer und leichter geworden gegenüber einer früheren Zeit. In dem Deutschland d:r Rationalisierung, das wir jetzt erleben (manche schaudernd, manche beglückt), wird das Problem Zionismus gar oft auch nur national, nur ökonomisch, nur als Organisationsproblem des jüdischen Volkes begriffen. Die Jugend, die wir für uns gewinnen wollen, kennt aber keinen arideren Lebensprozeß eines Volkes als den, in dem es lebt. Und so wie dieser heute von der Idee der Rationalität beherrscht wird, wird sie auch die Judenfrage von der Richtung der Rationalität her begreifen 32

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