Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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einer inhaltslosen Organisation, euer Niveau ist erschreckend tief gesunken, eure Reden — ja, eure Reden, sind geistlos, eure Diskussion auf dem K. T. war die schlechteste, die es je gab. Und nun gar habt ihr die abgelehnt, die mit ideenreichen bedeutenden, die Tradition repräsentierenden Programmen kamen, die das K. J. V. immer noch einmal ,.rH;.ch:n" wollten. Und habt Leute zu Führern gemacht, von denen mau ukhts weiß, als daß die einen gute, brave K. J. V.er und Zionisten, die anderen mit zionistischer Vergangenheit so belastet sind, daß sie das K. J.V. nie als Erziehungsbasis, sondern nur als politischen Tummelplatz begreifen können." So die Alten, und, ob sie Recht haben oder ob ihrer Argumentation keine Berechtigung beigelegt weiden kann, sie bekunden, daß sie keäne Ahnung haben von der völlig gewandelten, ganzlich andersartigen psychischen Einstellung einer neuen Generation. Wie sieht diese aus? Wie sieht sie der Beobachter, der in derselben Kampflinie wie düe jungen steht und das Neue zu gestalten versucht, das er vorfindet, ohse von vornherein seinen Wert herabzusetzen? Nun ist zunächst zu sagen, daß diese Jugend keineswegs unter dm oben erwähnten Minderwertigskomplexen leidet und daher auch nidot in die Schwächeposition gedrangt wird. Ihr daraus den Vorwurf m machen, daß sie überheblich sei, ist nur ein Mißverständnis mehr. Ural gar diese Urberheblichkeit als den grundlegenden Charakterzug der junges hinzustellen, wie das gelegentlich beliebt ist, beweist nur eine Uebeialterung und Verkalkung bis zur völligen Unelastizität des Denkvermögens. Es erscheint mir vielmehr notwendig, bei dem' Versuch, eine grundlegende Charakteristik unserer Jungen zu geben, jedes Werturteil auszuschließen. Denn es ändert nichts an der Situation. Ja, ich glaube, dal wir wohl die Möglichkeit haben, jüdische Akademiker in ihren erstem Semestern mit Zionismus bekanntzumachen, dafür zu gewinnen und za vollwertigen Zionisten zu erziehen, daß es aber außerhalb unserer Macht liegt, die Menschen selbst zu formen. Aber wir müssen versuchen, um sie überhaupt „keilen" zu können, sie zu begreifen. Dazu bedarf es jedoch eines viel gründlicheren und — liebevolleren Einfühlens, als es bisher der Fall war. Wenn wir uns aber darum bemühen, so werden wir trotz größter Kontraste der Herkunft, des Erziehungsmilieus, des Charakters, der Berufsziele, der Weltanschauung usw. dennoch einer Reihe gemeinsamer Entwicklungsergebnisse gewahr, die die Voraussetzung für die seelische Situation unserer jungen Bundesbrüder bilden. I. Wichtig erscheint mir vor allem ihre innere Unabhängigkeit vom Eiternhaus, die bedingt ist durch Anschauungen und Formen des Lebens, die von denen ihres Elternhauses erheblich abweichen. Nicht daß sie „unbürgerlich" wären im Gegensatz zu „bürgerlich" oder umgekehrt, nicht daß sie „pazifistischen" oder „sozialistischen" Ideen huldigen oder daß sie den Sinn für das „Ideale" verloren hätten oder was dergleichen Charakteristiken mehr sind. Es erscheint mir auch nicht bemerkenswert, 29