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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Schichten des aufsteigenden kapitalistischen Bürgertums, das sich fast ausschließlich zum Liberalismus bekannte, verbinden. Welche Stellung nahmen die liberalen Gruppen den Juden gegenüber ein? Sie unterstützten sie in ihrem Kampf um die Gleichberechtigung, sie machten die Emanzipation zu einer Angelegenheit des allgemeinen Fortschritts. (Es gibt Aufnahmen, ^ie etwa die liberalen badischen Führer Rotteck und Welcher, die den Freiheitskampf der Juden zu beeinträchtigen versuchten.) Die geschichtliche Entwicklung zeigt, daß die Verwirklichung der Emanzipation voüig abhängt von dem Erfolg der liberalen Ideen, von der Macht und dem Einfluß, uieii die Liberalen erringen. Die Juden tun alles, um eine völlige Ueberau- Stimmung mit ihnen zu erzielen, um mit den Liberalen restlos in Deckang zu kommen. Der große Prozeß der Entjudung und Assimilation setzt ein. So ergibt sich die Fiktion, mit der das liberale Assimilationsjudentum Stfine geistige Verbundenheit mit der Umwelt beweisen will, indem es — uiles symbolisierend — dem jüdischen Schrifttum (vor allem den Propheten) entnommene blutleere Begriffe, die keiner Wirklichkeit mehr entsprachen., mit den Elementen des. liberalen Denkens zu identifizieren versuchte. Auf der anderen Seite sind die konservativen Gruppen leidenschaftliche Gegner der Emanzipation. Sie sind es nicht nur aus antisemitischen Gründen, sondern es ist für sie vor allem auch ein Kampf gegen den Liberalismus, ein Kampf gegen freiheitliche fortschrittliche Ideen überhaupt, von denen die Emanzipationsbewegung erfüllt ist. — Wir wollen an Fland einer besonders charakteristischen Publikation die Stellung der Konservativen zur Juden frage darlegen. Und zwar handelt es sich um eine im Jahre 1S57 erschienene Sdkrift des konservativen Abgeordneten Hermann Wagener: „Das Judentum und der Staat*4'. Wagener war einer der hervorragendsten preußisch-konse;rvativen Parteiführer, Chefredakteur der um diese Zeit begründeten Kreuzzeitung, des Mittelpunkts des konservativen Denkens. Er hatte im Jahre 1S56 in einer Zeit schlimmster Reaktion in Preußen einen Antrag zwecks Aearderung des Artikel 12 der Preußischen Verfassung gestellt, dessen Annafeme die Juden tatsächlich ihrer mühselig errungenen in dem Gesetz von BS47 niedergelegten staatsbürgerlichen Rechte beraubt hätte. Der Antrag verfiel jedoch durch einen Zufall der Ablehnung. Daraufhin veröffentlichte Wagener zwecks „Orientierung über die Judenfrage" jene Schrift. Es ist eine historisch politische Skizze, in der die Entwicklung des Judentums von seinen Anfängen an in knapper Form geschildert wird. Alle Faktoren, die die Stellung des Verfassers zum Judentum bestimmen, sind von jenem spezis&schkonservativen Denk- und Erlebnisgehalt erfüllt, den wir herauszuarbeiten versuchten. Die Masse des Judentums identifiziert Wagener mit jenem liberalen aufstrebenden und auflockernden bürgerlich-kapitalistischen Schkftten. Er sagt: „Die große Mehrheit der städtischen Juden ist, wenn aueä1 aus äußerlichen Gründen der einen oder anderen Partei angeschlossen, durchschnittlich partei- und gesinnungslos, die eigentliche Repräsentation deir jüdischen Auflösung, die an nichts glaubt als an bar Geld und sichere Papiere, und nichts will als ein gut Geschäft. Diesen im Materialismus vergrabenen Haufen sucht nun besonders die rationaltstisch-reformatorische Parfci (gemeint ist die jüdische Reformpartei) an das Licht ihrer Prinzipien heranzuziehen." 17

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