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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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r a 1 i s n u s vertretene n a h strahlen M er.se h e n r e c h t e. n\ i 1 ihre m G 1 c i c h h c i t s p r i u z i p a b. Gegen jenes wendet er sieh nicht pe^en die „Freiheit" überhaupt. Der Konservative glaubt, daß die Mensehen ihrer ganzer« Veranlagung nach ungleich sind und daß jeder seiner Eigenart entsprechend einem organischen Wachstum sgesilz tum rliegt. i )a> abstrakte.. :<*ineni revolutionären Charakter nach konstruierende liberale l K-nben - denn es orientiert sich doch immer an zukünftigen Möglichkeiten -~ glaubt an die Gleichheit aller Individuen und setzt der Freiheit in der Gleichheit der anderen eine Grenze. das konservative Denken zieht diese in dem individuellen Gesetz/4' (Simmcl) des Wachstums. Das Substrat, die Basis des konservativer! Denkens, ist der Gri nd und Boden. Die Morphologie des konservativen Denkens wird von hieraus in weitgehendem Maße bestimmt. Der Beden ist starr und unbeweglich, er verkörpert gleichsam das Stabil-Erhaltene, das" „Konservative", die grundlegende konservative Maxime des „Quieta non movere'-. Von hieraus ergibt sich eine der fundamentalen-psychologischen Eigenarten des konservativen Erlebens, das Sich-Orientieren an das Greifbar- Vorhandene, an das Praktisch-Konkrete, die radikale Abneigung gegen alle Spekulationen, gegen das Aufstellen von bloßen Möglichkeiten. Im Gegensatz hierzu zeichnet sich das progressiv-liberale Denken, das Denken der aufi lockernden bürgerlichen Schichten, durch die Beschäftigung mit dem Sein- Sollenden aus. Es orientiert sich a:i die Zukunft, stellt Theorien auf, es ist abstrakt rational. So ergibt sich zwangsläufig die konservative Staatsauffassung. Während der Liberalismus glaubt, daß gemäß der menschlichen Vernunft der Staat konstruiert werden muß (Vernunftsstaat), ist der Konservative der Auffassung, daß auch das Staatsleben einem organischen „individuellen Lebensgesetz" unterworfen ist. Bewußte und willkürliche Eingriffe dürfen nicht vorgenommen werden. Dementsprechend werden Verfassung und Parlamentarismus, die von den Liberalen gefordert werden, um ihre soziale Herrschaft auch politisch sicherzustellen, abgelehnt. In diese Gesellschafts- und Staatsai;fia>sung wird von den konservativen Denkern die christliche Weltanschauung, d.is Ideal des christlichen Staates eingebaut. Auf der Grundlage des von der lutherischen Ethik geforderten Schickungsgedankens, des Vorsehungsglaubens, der die bedingungslose Fügung des Individuums in die gegebene Lage impliziert, werden so die bestehenden Einrichtungen des Staates und der Gesellschaft legitimiert. Dies ist die nur skizzenhaft geschilderte soziologische Situation um die Jahrhundertwende *) beim Eintritt des deutschen Judentums in die Umwelt. Es ist kl-ir und nach dem bisher Ausgeführten nicht näher zu begründen, in weicher Richtung si;h die Juden so/iologi-e.-h einordnen. Sie mußten rieh zwangsläufig den liberalen Schichten zuwenden, denn nur von ihnen könnt* :i sie eine Unterstützung der E n k : n y i p a 1 i "m? h e s t r e h u n e n erwarten. Daneben sind andere wirtschaftlich-sozial bedingte Faktoren wirksam, die in die gleiche Richtung drängen. Die Juden als typisches Mittelstandsvolk, die zum größten Teil Handlerberufe ausübten, mußten sich mit jenen *} Vom i$. zum 10. Jahrhundert. 10

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