Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Zusammenfassung von Individuum, Gesellschaft und Staat konnte mir durch eine Zerstörung der bestehenden lokalen und sozialen Bindungen, der feudal - ständischen Gliederung erreicht weiden. Diese Epoche, die etwa im zweiten Jahrzehnt des 10. Jahrhunderts zum Abschluß kommt, brachte in Preußen die Aera der durch Stein unß Hardenberg vorgenommenen liberalen Reformen (Bauernbefreiung, SF'.dteordnung), sie brachte auch — 1812 -- das unter dein Einfluß vur. Haidonberg und Humboldt zustande gekommene Edikt, betreffend die bürgerlicher Verhältnisse der Juden. In dieser Zeit — etwa >eit 1S15 — war auch am dem Drang des Liberalismus nach Vereinheitlichung und Zusamment\i>s!inj des Volkes heraus die Forderung nach einer Gesamtvertretiuig wirksam geworden. In all diesem erblickten die alten ständisch-aristokratischen Kreise,, die altpreußischen Militärs und Beamten die Gefahr einer politischen un£ sozialen Revolution. Hier setzt die konservative Gegenbewegung, dar Werden des konservativen Denkens ein. Von hier aus werden wir in dti zweite Periode des Liberalismus, die von Meineke als die „Periode de* klassischen Liberalismus'4' bezeichnet wird, hinübergeführt. Diese Periode,, die zeitlich in das dritte und vierte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts fälh;, wird unter dem Einfluß der Romantik gekennzeichnet durch ein Zeitalter der Reaktion. In diesem Transformationsprozeß werden auch die verschiedenen sozialen Schichten und Differenzierungen, von denen der Liberalismus getragen wird, sichtbar. Und zwar sind es vor allem die progressiven, die alten ständischen Gebundenheiten auflockernden bürgerlichkapitalistischen Schichten, gleichzeitig aber auch die von unten herandrängenden Massen, das sich bildende Proletariat. In diesem Zusammenhang bedeutsam sind die innenpolitischen Forderungen, die von ihnen erhobex werden. Als Grundgesetz des Staatslebens wird die Notwendigkeit betont daß jede lebendige Gewalt innerhalb des Staatslebens sich frei auswirken müsse, und das Recht habe, an einer Gesamtvertretung teilzunehmen. Eilst der Gedanke des konstitutionell-parlamentarischen Staates, verbunden rrii dem Grundsatz staatsbürgerlicher Gleichberechtigung, der von den Liberalex — die von dem R e c h t s Standpunkt als Axiom ausgehen —- immer Wieden vertreten wird, und mit dem sie die ständischen Gegensätze und den Ein fluides ständischen Geistes 'auf die Politik zu überwinden suchen. Es wärejetzt noch von den Differenzierungen innerhalb des Bürgertums selbst ztz sprechen; wir müssen uns aber in diesem Zusammenhang auf die Hera Umarbeitung der grundsätzlichen Tendenzen beschränken, und wollet jetzt mit einigen grundlegenden Bemerkungen die Ideologie des Konservativismus zu charakterisieren versuchen. Wir hatten bereits bemerkt, dal'» es die durch die aufstrebenden bürgtrlich-kapitali^isohen Schichten .'vdrohter ständisch aristokratischen Kreise, die Grundherren (Junker) und die ahpreußischen Militärs und Beamten sind, ven denen die konservative Goperbewegung ausgeht und getragen wird. Sie wünschen die Aufrechterhaitiug der aus dem Mittelalter stammenden ständischen Gebundenheiten, der vollständigen Rechtlosigkeit des Volkes, des Prinzips der Autorität. E nlscheidend ist n i c h t d i e Freiheit des \ n d i v i d u u ms, sondern die Freiheit der Gruppe. Der konservativ v F r e a- »» o i t s b e g r i f f i e Ii n t d i e \ c n d e n r e v o 1 u : i n a r e r: : i h i - 15