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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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solches noch ein besonderes Interesse an-dem politischen, Wirtschaft1.-; ' und kulturellen Programm auch des L i b e r a 1 i s m u s" (S. 7-1). Es br jetzt für die Konservativen gar kein Grund mehr, die Juden das servativste Element unter den Völkern des Abendlandes — auszuseh!!.-; „In anderen Staaten, wo die Emanzipation nicht mehr bedroht ist (."an./ sonders in England), steht das jüdische Bürgertum zum großen Teil; . konservativen Lager'* (S. 72). Die Konservativen sollen den Antisemit] .;<;, als Parteiprogrammpunkt fallen lassen. „Wenn heutzutage in Deutsch! p ..: Agrariertum und Schwerindustrie der antisemitischen Bewegung offen «,;:..; versteckt Unterstützung leihen, so handelt es sich um ein rein realpolui ■> überlegtes Manöver, um den Angriff des vierten Standes, der sich « mit besonderer Vorliebe, wie auch ganz natürlich, gegen jene beiden Grup;n; wendet, zu zersplittern und zu schwächen." Die Forderung des Ar;!;, semitismus ist auch vom konservativen Standpunkt aus eine verfehlte Taktik. Denn alles, was an Wählerstimmen durch eine am;, semitisch gefärbte Agitation für die konservative Rechte gewonnen wird, kann niemals den — ideellen und materiellen — Schaden aufwiegen, den die gleichzeitig hierdurch verschuldete Schwächung der Rechten infolge der Ab drängung der Juden auf die Seite der politischen Linken bedeutet" (S. 97 <):'). So weit Kauila. Wir werden jetzt auf Grund einer historisch-soziologischen Analyse nachzuprüfen haben, ob es überhaupt möglich ist, die Juden od,-r eine bestimmte Gruppe von ihnen dem Konservativismus zuzurechnen. F.-» war schon bemerkt worden, daß das wichtigste politische Postulat der JuuVn zu Beginn des 19. Jahrhunderts — die bürgerliche Gleichstellung — von den Gruppierungen, die den Liberalismus repräsentierten — durchgeführt wurde. Die Vertreter der konservativen Schichten haben der Emanzipation immer einen erbitterten Widerstand entgegengesetzt. Um die Ursachen diesem Tatbestandes zu erkennen, ist es notwendig, daß wir uns in einigen nur andeutungshaften Ausführungen mit der Ideologie des Liberalismus und dr- Konservativismus und mit den dahinterstehenden sozialen Schichten befa<?-. n. Man kann beim Liberalismus zunächst eine erste Periode unterscheiden, in der losgelöst von aller sozialen Problematik die reinen „Ideen" herrsch-.".'., in der die liberal-humanitäre Ideologie geschaffen wird. Es ist in dic-'e::i Stadium eine Bewegung der Gebildeten, die, ursprünglich ausgelöst dur.h die individualistischen Ideen von 17S9, unter dem Einfluß der Aufklärun; (Lessing) und der deutschen idealistischen Philosophie steht (k\*u:i. Humboldt). Das Ende dieser Periode zeigt als Ergebnis die Grundlegung und Formulierung ethisch fundierter, freiheitlicher und nationaler Ideale. D.^ idealistische Deutschland von der sittlichen Autonomie der Persönlichke:'. von dem kategorischen Imperativ der Menschenwürde ausgehend, f:>uK;; die freie Selbstbestimmung des Individuums, seine Loslösimg von allen shv.:- liehen und ständisch-zünftigen Gebundenheiten, jeder mag tun, was i beliebt; die Ausübung der Menschenrechte muß gewährleistet sein. Freiheit wird -nur durch die Freiheit und Gleichheit aller anderen Büf^r eine Grenze gesetzt. Der liberale Freiheitsbegriff beruh" primär auf dem G 1 e i c h h e i t s p r i n z i p. Verbunden mit die- - Forderung individueller Freiheitsrechte ist der Drang nach einer uei:e^ Gemeinschaft, nach einer neiien sozialen Gemeinsamkeit. Dieses 14

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