Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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grund stehen und geltend gemacht werden, nur daß die wcstHc iui- Zionisten, weil sie fast sämtlich vom Osten erst angeregt waren, o.i, Zionsideal sofort in ihr politisches Programm aufnahmen. Sie h:ilu-,> dann nach und nach auch das Kuliurmotiv zu werten begonnen, wenn zumeist in der vorerst noch abstrakten Form, daß der andersu;, : eigenartige jüdische Mensch auch eine eigene und eigenartige Kmu t haben und nach ihr verlangen müsse. Man glaubte dann weiter •/.- erkennen, daß die neue Kultur nicht unverändert die alte werde >un können, sah aber bald ganz richtig ein, daß ohne Anknüpfung .-.n die alte eine neue Kultur unmöglich werde entstehen können, und so forderte man in wachsendem Maße größere Vertrautheit mit der allen Kultur und der des Ostens. Wie wenig eine moderne jüdische Volksbewegung ohne Anknüpfung an die historisch gegebenen Faktoren möglich ist und mit welcher Entschiedenheit, ja Vehemenz sich diese durchzusetzen wissen, dafür sei nur ganz im Vorübergehen an den Ugaiubkonfliki und den hebräischen Sprachkampf verwiesen. Insofern freilich Kulturzionisten das jüdische Volk auf seine Kultur in der Vergangenheit, genauer auf den ethischen Geist derselben, dir ethische Kultur, für alle Zeiten sollten festlegen wollen, müßte dieser Anspruch abgewiesen werden. Insofern sie aber meinen, daß diese Kultur, weil aus dem jüdischen Volke bzw. aus dessen Genius hervorgegangen, ihm auch am meisten angemessen sei, haben sie zweifellos recht. Der Geist dieser Kultur darf ihnen noch heute als Höhengeist und seine Verwirklichung in der Zukunft ihnen als hohes und erstrebenswertes Ziel erscheinen. Daß sie ihn daher beim Wiederaufbau unseres Volkes heranziehen wollen und darum Vertrautheit mit ihm, mit der Tradition und ihren Werten für erforderlich halten, muß als unbedingt berechtigt anerkannt werden. Dies um so mehr, als zu jeder Kulturgemeinschaft auch notwendig ein irgendwie gerichteter Kulturgeist gehört. Die Erzieher des wieder auferstehenden Volkes werden ohne ethisches Erziehungsideal -ganz gewiß nicht auskommen können. Welches sollen sie beim Aufbau ihres Volkes denn sonst zugrunde legen? welches wird der Seele ihres Volkes homogener sein, als das, das aus ihr selbst einmal geboren ist? Und wenn wir selbst in unseren ethischen Idealen über unsere Vergangenheit einst sollten hinausgelaugen können, so werden wir doch immer an unsere Vergangenheit unbedingt anknüpfen müssen. Aus dem Nichts kann nichts werden. Im Grunde folgt dies ja schon aus dem Begriff der Ku'turgeuieinschaft selbst, die im Prozeß ihrer Entwicklung nicht absolut von von} anfangen, sondern nur weiterzubauen versuch-' kann. Mit der Ablehnung des Kulturzionisnius in jeder Form ist es :),;-! nicht getan. Und wenn religiösdenkende Juden mit dem ethischen Kulturideal, ihren Uebcrzeugungeu gernäß, auch religiösen Glauben im Geiste der Propheten oder der späteren Tradition werden verbinden und für ihre Fmehungsinstitute weiden verwenden wollen, so wird sich g^'--' gewiri nich-s dagegen einwenden lassen. Dies mit so weniger, als. rieb'.' gesehen, alle ethische und überhaupt alle Kultur in der religiösen Kr.:v. ihr stärkstes und auf die Dauer unbedingt notwendiges Fundament r.a-- 12