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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Zionismus erst sein, wenn dieser auf den von Strauß gewiesenen Boden treten wollte! Atheisten gibt es hüben und drüben, und drüben wohl no U mehr als hüben, der Atheismus trennt uns und unsere Gegner nicht im,! man hat bisher noch nicht gehört, daß gerade er für das Eingehen in die zionistische Entscheidung und Gesinnung besonders prädisponier«- Strauß beruft sich auf Freud's Eintreten für den Atheismus. Er schein; dabei ganz zu übersehen, daß Freud von dem Eindringen des Athei<m»N in die Massen zunächst schwere Schädigungen im moralischen Stauda:.! erwartet und daß er nur, weil-er das Schwinden des Gottesglaubens seinem Standpunkte aus als unaufhaltbar ansieht, meint, man müsse es \:,\\ der religionslosen Erziehung wenigstens versuchen. Ob der Versuch von Erfolg gekrönt sein werde, wage er nicht zu behaupten, es sei möglich, daß die Hoffnung auf sein Gelingen sich als eine Illusion erweisen werde. Sollten also die Chancen des Zionismus damit, daß er den Atheism-n; zur Grundlage nimmt, etwa steigen? Der Zionismus ist eine nationale Bewegung, die infolge der äußeren und inneren Lage des jüdischen Volke.; mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, er kann daher überhaupt nur vorwärtszukommen und endlich durchzudringen hoffen, wenn er an starke moralische Kräfte appellieren kann. Der Zionismus ist auch seinem ganzen Wesen nach eine im eminenten Sinne ethische und dadurch, wie alle Welt anerkennt, besonders wertvolle Bewegung, er ist, genau betrachtet, der Kampf der stärkeren gegen die schwächere Moral, der Kampf des heißen Verlangens nach äußerer und innerer FFeiheit gegen Knechtseligkeit, des ungebrochenen gegen ein gebrochenes Ehrgefühl, eines starken Gefühls unbedingter Verpflichtung gegen alles bequeme Paktieren mit den unmittelbar gegebenen Verhältnissen. Das haben doch gerade die Erfahrungen mit unserer Propaganda tausendfach erhärtet und erwiesen. Wie töricht und verkehrt wäre es da, durch eine Parole, wie sie Strauß ausgibt, die sittlichen Kräfte des jüdischen Volkes in ganz unberechenbarer Weise zu schwächen und so das endliche Durchdringen des Zionismus unsagbar zu erschweren oder vielmehr ganz unmöglich zu machen! Praktisch also ist, wie jedermann sieht, mit Strauß' Vorschlag nichts anzufangen, darüber verlohnt es sich wohl nicht, noch mehr Worte zu machen. Aber wie kommt Bbr. Strauß nur auf seinen unbegreiflichen Vorschlag? Auf Atheisten wird seine Motivierung, nur weil sie Atheisten sind, ganz gewiß keinen Eindruck machen, denn nur darauf allein kommt es an, ob der nationale W i 11 e in der nötigen Stärke und mit den nötigen moralischen Grundlagen vorhanden ist. Und der nationale Wille wird bei Atheisten, wie bei anderen Juden, ganz gewiß auch wesentlich durch das bedingt sein, was sie von einer künftigen jüdischen Kultur erwarten, und diese Erwartung wiederum wird nicht zuletzt von ihrem Urteil über die alte jüdische Kultur abhängen. Von dieser dürfte ihnen Strauß' Urteil über die „dürftige Abstraktion der prophetischen Ethik" keine allzu hohe Meinung geben. Was aber gar die Nichtatheisten angeht — und sie bilden noch immer die ungeheure Mehrzahl —, so wird sie Strauß' athe* istische Ideologie, weil sie sich im Innersten und Heiligsten getrofK^ fühlen, auf das heftigste abstoßen, sie werden sich nur noch mit um 10

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