Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537794-3537800--6918-3544951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ist es da nicht selbstverständlich, daß England an das jüdische Volk als <». präsumptiven Partnei denkt, dem die Schaffung eines Nationalheims 7-... international verbrieh winde, das aber d rüber hinaus werktätige, staadkiv Hilfe braucht, um dieses Ziel zu erreichen? Die Spekulation auf die 1: . reitschaft der Juden scheint realpolitisch zweifellos berechtigt. Uns geht aber zunächst die Frage an: Ist die Idee schon ein Allgenn in. des englischen Volkes — denn darauf kommt es ganz besonders an ly\. : hat sie Aussicht, baldmöglichst die Sympathien weitester Kreise zu gewinnen'; Denn nirgends ist die öffentliche Meinung von solcher Bedeutung für um politisches Problem, wie in England, mögen auch zeitweilig die iegierendv.: Organe den Versuch machen, eigene, der allgemeinen Empfindung widersprechende Wege zu .gehen. Wir hören, daß Wedgwood mit einigen Gleichgesinnten eine „Seventh Dominion League", einen Bund für das Sieben;.- Dominion, zu gründen im Begriff steht. Er wendet sich zunächst an dk- Engländer sowohl in der Metropole wie in den Dominions. Gelingt es ihm, in kurzer Zeit die Schar seiner Anhänger groß zu machen, so kann sich die Idee zur Tat verdichten. Haben wir Zionisten ein Interesse, dieser Idee zum Siege zu verhelfen, und können wir dafür etwas tun? Den ersten Teil der Frage beantworte ich bejahend. Wir haben das Interesse daran, daß England in uns einen gleichwertigen, vertragsfähigen Partner für Palästina sehen soll. Wir brauchen eine staatlich organisierte, werktätige Hilfe bei der Besiedlung Palästinas. Allein mit unseren Kräften ohne staatliche Förderung, Finanzierung, Schutz können wir, wenn wir auch noch so viel Privatkapital ins Land bringen, nur langsam vorankommen. Und Zeit ist bei der Lösung unserer Aufgabe das Wichtigste. Das Tempo entscheidet, wie ich an anderer Stelle neulich sagte. Die andere Frage ist, ob wir etwas dafür tun können. Unzweifelhaft müssen Wedgwood und seine Anhänger, müssen die Engländer soweit die Durchführung des Gedankens vorbereiten, daß sie an uns mit dem klaren Vorschlag herantreten können. Wir unsererseits müssen uns mit dieser Idee und ihren praktischen Auswirkungen rechtzeitig vertraut machen. Denn wir könnten bald vor eine Entscheidung gestellt werden. Es geht um ernste Dinge. Zur atheistischen Ideologie des Zionismus. Von Max Joseph (V. J. St. Ivria, Freiburg, A. H. h. c). Vorbemerkungder Re da k t i o n : A. H. h. c. Dr. Joseph wird seiner Kritik der Gedankengänge, die Leo Strauß in Nr. 4 des J. St. entwicke.4. hat, in der Dezcmbernummer einen Aufsatz folgen lassen, in der er zu Freu > „Zukur.ft einer Illusion" Stellung nimmt. Im Anschluß an die bekannte Schrift von Sigmund Freud. „Die Zukunft einer Illusion", fordert Bbr. Leo Strauß im August-Heft des J-St. eine von der üblichen abweichende Ideologie des Zionismus. Nicht das Streben nach Normalisierung des jüdischen Lebens mache das Kern- und Grundmotiv des Zionismus aus, sondern die Notwendigkeit, nach dem von vielen einzelnen Juden vollzogenen Bruch mit der Religion die Existenz des jüdischen Volkes nicht mehr auf die Religion, auf Gott, 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.