Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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miuelbar, daß der Engländer, an den sich ja die Schrift wendet, ihr nicht ausv/eichen kann. „Wir haben im Unteren Kanada einen französischen Partner, in IrlanJ einen widerwilligen irischen Partner, in Südafrika einen holländische;! Partner; und in Indien, Ceylon und Burraa erwarten und hoffen wir, eines Tages gänzlich nichteuropäische Partner in dieser neuen Union zu sehen, in welche die Reichskonferenz von 1926 das alte Imperium verwandelt hat. Wollen wir das neue Israel als ein Dominion innerhalb des britischen Reiches haben oder wollen wir nicht?" Das ist die Fragestellung. Weclgwood unterzieht die gegenwärtige Haltung der englischen Verwaltung Palästinas gegenüber den Juden einer recht scharfen Kritik. Er wirft ihr Untätigkeit (in Südafrika hätte England in acht Jahren bedeutend mehr geleistet), Mangel an Verständnis für die Aufgabe vor. Er zeiht die mittleren und unteren englischen 3eamten nicht allein der Gleichgültigkeit gegenüber den Juden, sondern häufig der Feindschaft, des Antisemitismus. Die gegenwärtige Verwaltung des Landes sei der Aufgabe, aus Palästina ein jüdisches Homeland zu schaffen, nicht gewachsen. Wedgwood stellt eine Reihe von Forderungen auf, die bislang nur von revisionistischer Seite in dieser Prägnanz zum Ausdruck kamen. Aber als Engländer kann er ja noch weiter gehen, da er für sich die Wahrung der englischen Interessen in erster Linie in Anspruch nehmen kann. Palästina sei ja für das englische Commonwealth die „Clapham-Junction"*). Diejenigen, die sich in Palästina ansiedeln, seien politisch und kommerziell für das britische Reich von besonderem Nutzen; denn hier kreuzten sich sowohl die Luftwie die Ozeanwege von Ost nach West und von Süd nach Nord. Daher fordert Wedgwood, daß England eine aktive Kolonisationspolitik treibe. Ein Kolonisations-Regime müsse die beobachtende Haltung Englands bezüglich der Juden und des Landes ersetzen. Wohl das längste Kapitel ist in Wedgwoods Buch das „der Kritik eines Sekretariats" gewidmete. Von den weiteren Betrachtungen ist besonders wichtig dasjenige über kommunale Vertretung im britischen Reiche, in dem er sich entschieden gegen die Praxis der getrennten Vertretung nach Nationen und Gemeinden in den Ländern mit gemischtnationaler Bevölkerung wendet und energisch für die allgemeine Vertretung des Landes eintritt. Eine Minderheit verliert nach seiner Argumentation an Schlagkraft, wenn sie als solche vertreten wird. Sie wird in die Stellung einer nur kämpfenden Opposition gedrängt, sie kann nicht konstruktiv mitwirken. Er zeigt die Schädlichkeit der kommunalen Vertretung an dem Beispiel Indiens und Cyperns. Wo die mohammedanischen Minderheiten wie in Indien bedeutend sind, vermögen sie den Fortschritt des Landes infolge ihrer ewigen Fehden zu hindern, und wo sie wie in Cypern klein sind, sinken sie zur Belanglosigkeit herab und müssen sich völlig der Regierung unterordnen, sich ihr anschmiegen, um nicht von der Mehrheit unterdrückt zu werden. Deshalb ist Wedgwood gegen kommunale Vertretung für Palästina, deshalb will er überhaupt keine parlamentarische *) Clapham-Junction ist ein Eisenbahnknotenpunkt in der Nähe Londons, an dem nahezu alle Haunteisenbahnlinien der britischen Insel sich kreuzen. Wedgwood nennt Palästina in seinem Buch die Clapham- Juncticn of The British Empire. 6