Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 5 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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der „bürgerlichen Welt*'4 zu ihren Wesensbestandteilcn gehört. Liese Ablehnung der „bürgerlichen Welt*' .gibt dem Milieu des J. J.W.B, seir.e Aktualität und Lebendigkeit, auch gegenüber dem Leben hier, Hißt den J. J. W. B. in irgendeiner Weise eingeordnet erscheinen in die Bewegung des Proletariats hier. Diese Einordnung ist oft nur eine bewußtseiremäßige, ohne daß eine klare organisatorische Verbindung vorhanden wäre. Man ersieht daraus, daß das wichtigste pädagogische Agerw in djr Erziehung der Jüngeren des J.J.W. B. das von der sozialistischen Bewegung Palästinas und der Galuth gestaltete Milieu ist. Viel später und mit viel weniger Allgemeinheit setzt die eigentliche ideologische Er/iekmg des Bundes ein. Ist die Erzeugung des Milieus eine Leistung des Gesarnsbundes, so wird die ideologische Erziehung eine Leistung der einzelnen und damit in ihren Ergebnissen von den Qualitäten der einzelnen abhängig. Hierin liegft eine bestimmte, von uns keineswegs verkannte Gefahr.. Dabei kommt hier von einem ganz anderen Gesichtspunkt her das soziale Moment der Bildung zum Durchbruch. Das sozialistische Milieu des J. J. W. E. bringt es mit sich, daß Menschen aus dem Bürgertum nur immer im geringe» Maße erfaßt werden. Nun ist aber heute das Bürgertum noch weitgehend Träger der „Bildung". Darüber hinaus ist aber gerade zionistische und zionistisch-soziaistische Erziehung weitgehend eine Sache der Bildung. Auf der gefühlstsäßigen Basis der Bejahung des Volkszusammenivtnges und des Erneuerungsvvillens der Gemeinschaft hat sich ein intellektueller Ueberbau der Rechtfertigung dieser Gefühls- und Willensrichtung gegenüber den Mächten dieses Lebens aufzubauen. Der Einzelne kann sich nicht damit begnügen, sich ür den Aufbau eines sozialistischen Palästina zu erklären. Er muß diese Erklärung" gegenüber Nichtzionisten und bürgerlichen Zionisten rechtfertigen iännen. Er muß vor allen Dingen die Richtigkeit dieser Entscheidung gegenüber anders gerichteten Meinungen im Sozialismus und besonders im Kommunismus sich selbst und anderen darlegen können. Dazu gehört nicht, mr bestimmte feste Formeln zu übernehmen, sondern meistenteils selbständiges Denken, das auf einem Mindestmaß von Wissen aufgebaut sein muß. Dieses xWindestmaß zu erwerben, ohne jemals richtig Zeit für eine derartige Arbeit zu haben, weil der Beruf zu wenig Zeit übrig läßt und weil die Schulbildung abgesehen davon nicht zu der Bewältigung von Wissensproblemen ausreichend vorbereitet, ist eine durchschnittlich fast unlösbare Aufgabe. frEnzar kommt noch, daß gerade die Grundlagen für den zionistischen Sozialismus nicht in einzelnen Grundwerken dargestellt?md, sondern daß sie aus dem verschiedensten Quellen zusammengesucht werden müssen. Es ergibt sich daraus, daß man weitgehend auf eine „mündliche üeberlieferung'1 angewiesen ist, und daß der Hauptteil der geistigen Fortbildung* in den Gruppen selbst geleistet werden muß. Bei diesem Prozeß der geistigen Auseinandersetzung erhält der J. J. W. B. von außen nur sehr wenig Hilfe. Er ist vor die entscheidende Schwierigkeit gestellt, daß ihm hier in Deutschland keine ältere Generation gegenübeusteht, die ihm ihre Weltanschauung traditionell übermitteln könnte. Der bürgerliche Zionismus kann diese' Aufgabe nicht erfüllen. Ihm fehlt weithingehend der Wille und die Möglichkeit zur konkreten Verwirklkhung [ i 25