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Der jüdische Student · 1928-09-01 · Heft 5 (September 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 5 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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Die Kongreßforderung-, daß keine Mandatsänderimg eintreten darf, ist sachlich unausführbar. Da die Zionistische Organisation als Agency im Artikel 4 des Mandats anerkannt ist, so muß die Bildung ein.tr neuen Körperschaft, welche die Agency-Funktion übernehmen soll, notwendigerweise zu einer Aenderung des Mandats führen. Hierüber gibt es interessante Gutachten*), aus denen klar hervorgeht, daß eine Siandatsänderung unvermeidlich ist. Es bedeutet eine Irreführung den öffentlichen Meinung, wenn auf Grund eines Schlußgutachtens von wenigen Zeilen die Behauptung verbreitet wird, daß keine Aenderung des Mandats zur Durchführung der Agency-Politik erforderlich sei. Diejenigen,, welche dies behaupten, verschweigen das Hauptgutachten, welches in diesem Punkte sehr deutlich ist. Das erwähnte Schlußgutachten sagt nur, daß unter einer gewissen, an sich unsicheren Voraussetzung der Text des Mandats nicht geändert zu werden braucht. Die Voraussetzung hkrfür ist, daß man in den Artikel 4 des Mandats hineininterpretiert, daß m Stelle der dort genannten Zionistischen Organisation eine andere Körperschaft als Agency treten könne. Wenn dem so ist, so braucht freilich fer Text nicht geändert zu werden. Aber der Inhalt wird dennoch geäncbrt, und nur darauf kam es dem Kongreß an, der jenen oben erwählten Beschluß faßte. Als ich diesen Sachverhalt in der politischen Kommission des A.-C. darstellte, herrschte bei vielen Mitgliedern, besonders aus den Kreisen der bürgerlichen Mitte, große Bestürzung. Hit aus ergibt sich, daß der Kampf um die Erweiterung der Jewish Agency noch keineswegs beendet ist, was von jedem Standpunkt bedauert werden muß. Ich kann verstehen, daß dnotz all der Einwände, die von seiten der politischen Opposition in diesen Jahren erhoben wurden und die sich im wesentlichen als richtig erwiesen haben, dennoch im jetzigen Stadium der Versuch unternommen wird, diese einmal eingeleitete Politik unter allen Umständen zu einem positiven Ergebnis zu führen. Aber dann sollten die Zionisten sich wirklich über den ganzen Komplex der Frage klar werden und auch die Konsequenzen ihrer eigenen Politik mutig mit in Kauf nehmen. Gerade in den Kreisen des K. J. V. sollte man sich über das für und Wider dieser Politik Klarheit zu schaffen versuchen. Man kann im Sinne der Weizmannschen Politik die Zionistische Organisation zugunsten! eines neuen Gebildes überwinden wollen, oder man kann mit der Kütikern Dr. Weizmanns erkennen, daß die Zeit hierfür noch nicht gekommen ist, und daß die nationale, erzieherische und kämpferische Aufga&e der Zionistischen Weitorganisation noch lange nicht erledigt ist. Wir Kritiker fürchten, daß das Resultat der jetzigen Politik ein philanthropisch organisierter Kleinzionismus sein wird, wie er der Psychologie der Xichtzbnisten entspricht. Es ist mehr als fraglich, ob diese zionistischen Kreise lir die politischen Gesichtspunkte Verständnis haben werden, die allein <&e zionistische Bewegung rechtfertigen. Es besteht die Gefahr, daß die* Zio- *) Die hier erwähnten Gutachten veröffentlichen wir nachstehend als Material zur Information der Bundesbrüder. D. Red. 21

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