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Der jüdische Student · 1928-09-01 · Heft 5 (September 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 5 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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d) Die grundsätzliche Erkenntnis, daß eine nationale, kämpferisch gesinnte Weltorganisation nötig ist, um den Palästinagedanken gegen die Assimilation durchzusetzen, hat einstmals die Gründung der Zionistischen Organisation ermöglicht. Es ist mehr als zweifelhaft, ob die geplante Neuordnung nicht diesen kämpferischen Willen brechen und die gesamte Palästina-Bewegung in die Bahnen der Philanthropie führen wird. Man kann nicht erwarten, daß das nichtzionistische Judentum seinen innersten Charakter plötzlich ändern und jene politisch-nationale Kampfstellung für Palästina beziehen wird, die der Zionismus bisher innegehabt hat. Diese grundsätzlichen Bedenken sind durch die Erfahrungen der letzten Jahre verstärkt worden. Trotz aller Bemühungen Dr. Weizmanns kam die Agency nicht zustande, keine neuen großen Geldquellen wurden durch diese Politik erschlossen, und zuletzt hat der Expertenbericht die zionistischen Flügelparteien auf beiden Seiten aufs tiefste verstimmt. Das war die Situation, in der das A.-C. die Frage beriet. Der Referent schildert kurz die Haltung, welche die verschiedenen Parteien eingenommen haben. Die überwiegende Mehrheit des A.-C. hat sich dann auf eine Reihe von Resolutionen geeinigt, in welchen alle jene Vorbehalte wiederholt oder bekräftigt wurden, mit denen die beiden letzten Kongresse der Agency-Politik zugestimmt haben. Diese Vorbehalte sind, wenn man sie ernst nehmen soll, in ihrer Wirkung derart, daß sie die Agency-Politik Dr. Weizmanns eigentlich unmöglich machen. Verhältnismäßig am leichtesten dürften die Schwierigkeiten zu überwinden sein, die sich aus den sozialpolitischen Vorbehalten ergeben, auf deren Erfüllung besonders die linken Parteien drangen. Gewiß werden die Nichtzionisten innerlich mit diesen Vorbehalten nicht einverstanden sein, aber sie werden, wenn sie Agency-Politik mitmachen wollen, darin kein absolutes Hindernis sehen. Schwieriger sind die von den früheren Kongressen gefaßten Beschlüsse durchzuführen, welche fordern, 1) daß zunächst sechs Länder für die Agency organisiert werden müßten, bevor diese gegründet werden kann, 2) daß keine Aenderung im Text des Mandats vorgenommen werden soll und 3) daß die gesamte Agency-Abmachung mit den Nichtzionisten nur ein Provisorium für drei Jahre sein soll. Gegen diesen Provisoriumsbeschluß hat Marshall sofort protestiert, als er erfuhr, daß ein solcher Beschluß bestände (bei Unterzeichnung des Abkommens mit Dr. Weizmann war ihm dieser Kongreßbeschiuß nicht bekannt). Man kann auch vernünftigerweise nicht verlangen, daß unsere Vertragspartner in die Agency gehen, um sich dann nach drei Jahren eventuell wieder von uns heraussetzen zu lassen. Aber dieser Kongreßbeschluß besteht, und das A.-C. hat ihn dadurch bekräftigt, daß es generell auf alle diese Kongreßbeschlüsse nochmals hingewiesen hat. Dr. Weizmann ist der Ansicht, daß dieser Beschluß aufgehoben werden muß. Ob er auf dem nächsten Kongreß hierfür eine Mehrheit finden wird, ist aber ungewiß. Die Bildung von sechs Landesvertretungen ist noch nicht einmal eingeleitet, und es ist überhaupt noch nicht zu übersehen, wann und in welchen Formen diese Zustandekommen werden. *20

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