Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 5 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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VII. Und dennoch — sieht nicht am Beginn dieses Artikels die ResignaU. >r der Verzicht auf das Revolutionäre der zionistischen Bewegung? Wir sollten mehr Kritik im Gebrauch von Worten wie „revolution und ähnlichen walten lassen. Dann wird es nicht mehr so oft geschehen, da.; wir, statt zu denken, affekthaft, assoziativ auf Sehlagworte reagieren. Der Zionismus als Idee und als politische Bewegung war ievolution - (d. h. umstürzlerisch) überhaupt nur für den assimilierten Westjuden. N'».;[ für ihn war Zionismus der Bruch mit gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen, denen er sich bewußt eingeordnet hatte, mit einer Ideolo^ir. deren Ziel der sozial und wirtschaftlich arrivierte, vom Nichtjudcn nich* unterscheidbare Bourgeois jüdischer Konfession war. Diese Ideologie durch ein Bekenntnis zur jüdischen Nation zu ersetzen, welches sehr eindeutigpolitische Forderungen für das Judenvolk enthielt, das war in der Tat eine Revolution, durch die zwischen 1S93 und 1914 eine jüdische Jugend begeistert werden konnte. Jene Jugend nämlich, die den bourgeois-assimihntischen Juden angriff, weil er assimilantisch, nicht aber, weil er bourgeoU war. In dem Augenblick, als die Jugend zugleich gegen den Bourgois als sozialen Typus Front machte, als sie, von der Jugendkrise der Zeit erfaßt, sich der Jugendbewegung zuwandte, da ging der revolutionäre Impuls dieser zionistischen Jugend vom Zionistisch- Formalen aufdas Lebensreformerisch-Inhaltlicheüber. An Stelle Pinskers und Herzls wurden Achad Haam und Buber Vorbild und Lehrer. Zionismus war dieser Generation nur ein Vonvand zu unbourgeoiser und — nebenbei — „jüdischer" Lebensgestaltung (wobei nicht vergessen werden sollte, daß diese Art „jüdischer" Lebensgestaltung Zionismus überhaupt überflüssig macht, wie der Kameradenbund und bis zu einem gewissen Grade auch die Jüdisch-liberale Jugend zeigen). Die jüdische Jugend aus bürgerlichem Hause ging diesen Weg, um sich von einer in jeder Lebensbe/iehung, nicht nur in jüdischer, als unwahrhaftig empfundenen bourgeoisen Welt zu emanzipieren. Dieser Weg hat sie nicht ans Ziel geführt, weil er sich in den Nebeln der Romantik verlor. Viele, die ihn beschritten, sind (geistig) zugrunde gegangen, nicht wenige (teil* innerhalb, größerenteils außerhalb des Zionismus) zum Sozialismus abgeschwenkt; einige gingen zurück, einen neuen Weg zu finden. Sie sind die Weggenossen derer, die heute den Emanzipationskampf der bürgerlichen Jugend führen. Dieser Kampf ist noch nicht beendet. Denn wenn auch das Kulturbewußtsein des 19. Jahrhunderts den Achtzehnjährigen von heute nicht mehr Norm ihrer Lebensgestaltung isi, so wirkt es doch im Tun und Handeln der Aeltcnn fort, welche die politische, wirtschaftliche, kulturelle Wirkliehke;: von heute gestalten. Sich gegen diese im Gedanklichen schon überwunden- Welt auch in der Wirklichkeit durchzusetzen, das ist der heutigen Jugei'-- kämpferischer, revolutionärer Wille. Nur eine Bewegung, der dieser Wilk innewohnt, ist revolutionär. Deshalb ist Zionismus — soweit nicht sozialistisch — heute nicht mehr revolutionär. Und deshalb kann man vom bürgerlichen zionistischen Sinnc- 14