Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 5 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir werden uns daher in der Darstellung der zionistischen ideolo-'i - erhebliche Beschränkungen auferlegen und uns dan : mehr den 'allgemeinen bildungsmäßigen Interessen der Bundesbrüder zuwenden dürfen Im Bereiche dieser Interessen liegen die Erkenntnisse der modernen Xatuiwissenschaft: liegt die Psychologie, die Erblehre und Biologie, die Chemie mit ihrer eminenten wirtschaftlichen und sozialen Auswirkung usw. l!n Bereiche dieser Interessen liegen die großen politischen Geschehnisse d-jr Gegenwart: liegt die Entwicklung Europas, das Werden der U. S. S. R die Zukunft der U. S. A., die Umgestaltung des British Empire, das Phänomen Mussolini, die Tatsache des Völkerbundes, das Erwachen d-r farbigen Völker uswr. Und im Bereich dieser Interessensphäre wird möglich, notwendig und — pädagogisch erfolgverheißend sein, auch zu zionistisch-ideologischen Fragen Stellung zu nehmen, insbesondere den Gang mit dem Marxismus zu wagen, der wegen seiner erfahrungsgemäß starken Wirkung auf jüdische Gehirne besonders aktuell und dem gegenüber unsere geistige Front besonders schwach ist. Was schließlich das letzte von unseren drei Unterrichtsgebieten anlangt, die Judaisierung, so halte ich die Anschauungen, die Bbr. Tuchlcr hierin auf dem Camp vertreten hat, nicht nur für nicht realisierbar, sondern für grundsätzlich falsch. Für den westeuropäisch assimilierten Juden (diesem Typus gehört jeder deutsche Jude unserer Generation an, mag er wollen oder nicht), sofern er sich nicht zur Orthodoxie bekennt, ist Zionismus eine formale, eine politische Entscheidung. Wissen um jüdische Inhalte ist für unsere zionistische Intensität und unsere zionistische Entscheidungbedeutungslos. Sind wir doch Zionisten geworden, weil uns die jüdischen Inhalte fehlen, weil uns nur unser jüdisches Blut noch geblieben ist, dessen eigentümliche Spannung uns in Konflikt bringt mit unserer aktuellen Wirklichkeit. Diese aktuelle Wirklichkeit aber ist und bleibt Deutschland — solange wir hier leben. Und das gediegenste jüdische Wissen •bringt uns Erez-Israel um keinen Schritt näher. Solange wir nicht dort leben, haben wir keine jüdische Lebenswirklichkeit. Das ist keine neue Erkenntnis. Es ist die alte radikale Galuthverneinung, die illusionslos genug ist, sich nicht durch das Surrogat der Judaisierung den Zionismus wirklichkeitsnahe machen zu wollen. Und eben diese radikale Galuthverneinung führt zu der Forderung, die Lebenswirklichkeit des jungen Bundesbruders soweit wie möglich in ein Kartell aufzunehmen und durch die poschete zionistische Arbeit zu erweitern, die in der Galuth geleistet werden kann. Denn man kann zwar in der Gallith nicht jüdisch leben, aber man kann hier zionistisch arbeiten. Für die Aktivitas ist diese Arbeit allerdings — wie auch Schnurmacher in seinem Artikel betont — überwiegend Innenarbeit, Erziehungsarbeit. Daneben gibt es aber für die jungen Bundesbrüder die Möglichkeit, Ortsgruppen- und K. K. L.-Arbeit zu leisten. Das Organisationsnetz des K. K. L. ist nicht so ausgebaut, wie es sein könnte; die Eingänge gehen zurück. 12