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Der jüdische Student · 1928-09-01 · Heft 5 (September 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 5 (September 1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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eine (sit venia verbo) Komment-Fuchsenstunde, die sich, von einem pädagogisch begabten Alten Herrn geleitet, mit Fragen persönlicher Lcbensgcstaltung, mit eigentlicher Erziehungs arbeit befaßt und in diesem Zusammenhang auch das erotische Problem behandelt. Vor allem aber ist das Leibverhältnis viel ernsthafter auszugestalten, als es in den letzten Jahren häufig geschah. Jeder B. C. sollte es sich zur Pflicht machen, Leibverhältnisse nur dann zu genehmigen, wenn er dem Leibburschen unbedingt die Fähigkeit zutraut, gerade diesen Fuchsen zu erziehen; denn der stärkste Faktor aller Pädagogik ist das Vorbild. Das sind alles selbstverständliche Dinge. Leider sind sie so selbstverständlich, daß man sie meist vergißt. Es kommt aber nicht darauf an, Einsichten zu haben, sondern sich nach ihnen zu richten. Schwierigkeiten macht es, das Gebiet der geistig-bildungsmäßigen Interessen der jungen Bundesbrüder in die Arbeit des Kartells einzubeziehen. Immerhin sollte man die Enge unserer Kurse und Tendenz- Fuchsenstunden, welche sich allzu sehr auf zionistische und jüdische Dinge beschränken, doch ein wenig erweitern. Drei Unterrichtsgebiete wird man hier unterscheiden und unterschiedlich behandeln dürfen: 1. positives zionistisches Tatsachenwissen einschließlich Hebräisch, 2. zionistische Ideologie, 3. jüdische und jüdisch-geschichtliche Kenntnisse. Ohne Kenntnis elementarster politischer, wirtschaftlicher, sozialer Tatsachen Palästinas, ohne Wissen um Geschichte und Gegenwartsereignisse der zionistischen Politik, ohne Kenntnis der hebräischen Sprache als der Ausdrucksform palästinensischer Wirklichkeit ist ein Verständnis der zionistischen Gegenwart, eine auf eigenem Nachdenken aufgebaute politische Entscheidung, ein Urteil in zionistischen Dingen nicht möglich. Positive Kenntnisse auf den genannten Gebieten sind deshalb von jedem Bundesbruder in weitestgehendem Maße zu verlangen. Sie zu übermitteln, ist dringende Aufgabe der Verbindungskurse; die Möglichkeiten zu ihrer Uebermittlung durch Literaturhinweise, Quellenangabe, Bücher- und Zeitschriftenbeschaffung, Kompendien, Vortragsabende usw. zu geben, Aufgabe des Präsidiums. Anders steht es mit der zionistischen Ideologie. Sie hat Jahre, ja Jahrzehnte hindurch unsere Tendenz-Fuchsenstunden und unsere „Aus* einandersetzungen" beherrscht. „Ideologische Fundierung", gedankliche Radikalität galten als guter Zionismus, nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit als Mangel an zionistischer Intensität und Opferbereitschaft. Auch heute spuken, wie gewisse Debattenreden vom Kartelltag und Camp zeigen, diese Vorstellungen noch in den Köpfen vieler älterer Burschen und Alten Herren. Die jüngeren Bundesbrüder denken freilich anders. Sie sind an Ideologie weit weniger interessiert, weil das eine Sache ist, mit der nur Wenige praktisch, leistungsmäßig etwas anfangen können. Selbst mit Ideologie zu keilen, ist zurzeit ein Problem. Denn wurde der Keilfuchs schon früher nicht ausschließlich durch Ideologie, sondern unter dem starken persönlichen Eindruck eines Kreises frischer und selbstbewußter junger Juden aktiv, so gilt das für den Keilfuchs von 1Q2S, dessen Einstellung ich oben aufzuzeigen versuchte, in noch viel höherem Maße. 11

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