Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 5 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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zuweilen indifferent) ist eine? fast nie: für die persönliche Lebtn^^zAmng des Betreffenden von irgendeiner Bedeutung. Wie sollte sie auch? Der Achtzehnjährige von heute hat in seinem persönlichen Habitus nichts mehr gemein mit dem jungen jidischcn Intellektuellen von 1920, der in jener Zeit allgemeiner sozialer md wirtschafdicfter Unsicherheit und geistiger Labilität mit jeder hcilverhfiCeriden Idee kokettierte und sich vielleicht einem volkssozialistisch verbrämten Zionismus hingab, um mit ihm entweder als Chaluz wirklich Ernst zu machen oder aber um nach einigen Semestern großer Gesten md noch größerer Worte unter den Bürgern abzusterben. Der Achtzehnjährige von heute Ist von diesem Typus völlig verschieden. Er ist aber auch ganz anders als der von 1903 oder 1913. Seihst dem plattesten deutsch-jüdischen Spießer der Vorkriegszeit waren Nation und nationale Würde gültige Werte, freilich im assimilsntischen Sinne. An ihnen wagte kein guter Bürger zu rütteln, mochte er auch noch so fortschrittlich-volksparteilichen Freisinn hegen. Und auf der anderen Seite erkannte selbst der skeptischste, tabürgerlichsle jüdische Intellektualist der Vorkriegszeit zumindest bestimmte ästhetisch begründete Lebensnormen als für sich verbindlich an. Beide Typea, der brave Bürger und sein Verächter, waren deshalb vam ihrer persönlichen Lebensführung her für den Zionismus entweder als Würde verleidende nationale Idee oder als ästhetischen Erlebniswert zu begeistern. Beide boten in ihrer Lebenshaltung nicht nur der zionistischen Werbung, sondern ebenso der zionistischen Erziehung einen Ansatzpunkt Der junge bürgerliche Intellektuelle von heute ist der nationalen Idee gegenüber ebenso gleichgültig wie dem absoluten Aestiaetentum. Sefe Fnergieeinsatz gehört dem Lebenskampf, der jetzt sehr vM härter ist als. vor dem Kriege; sein Energieüberschuß gehört dem Lebensgenuß, den ei hastiger und deshalb bei aller Intensität oberflächlicher mitnimmt als die Vorkriegsgenerationen; seine Begeisterungsfähigkeit gekört dem Wunsche nach froher und sinnvoller Gestaltung seines Lebens, die für ihn beute unendlich viel problematischer ist als für die Jugend vor dem Kriege. Sie ist problematischer, weil alle Vorkriegs werte bürgerlicher Lebensgestaltung entwertet sind. Weil weder die nationale Idee, soch der früher als Naturgesetz hingenommene politische, wirtschaftliche and kulturelle Vorrang Europas, weder das Funktionieren der kapitalatischen» Wirtschaftsweise, noch die politische Vernünftigkeit konstitutiondl-parlameatarischer Regierungsmethoden, weder die Sittlichkeit der legitim geschlossenen Ehe, noch die Berechtigung der doppelten Moral, wfder die Verpflichtung zum Kriegsdienst, noch das Verbot der Gelrartenlontrolle, weder die Notwendigkeit der Existenz des Staates, noch die Piicht des Jndivkiüurns zur Unterordnung unter die organisierte Ge-eüsrhzrt weder tjter Glaube an die tinbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiien der Technik, noch Pti den Fortschritt als Sinn der Geschichtsentwicklung für den jungen Menschen von 1923 selbstverständlich, sondern weil alles bestritten, zumindest zweifelhaft geworden ist. Die heutige Generation hat bei dem Bemühen, ihr Leben sinnvoll zu gestalten, keine tradierten Ideale, nach denen sie s i h bilden