Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 5 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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iL Nun zur Sache. Den „Beschäftigungstherapeuten" wird vorgeworfen sie ersetzten die zionistische Intensität der Gesinnung und die zionistische Ernsthaftigkeit des Tuns durch eine unernste, mechanische, galuthbejaherule Gschaftlhuberei und betrachteten diese als Ziel, als Erziehungsaufgabe des Kartells. Dieser Haltung stellt man die „Vorstellung einer vollkommenen* Objektivierung und Hingabe an die Welt des zionistischen Lebens" gegenüber, wie sie Bbr. Paul Schnurmacher im vorletzten „J. St.-" entwickelt. Aber diese Gegenüberstellung, die schon auf dem K. T. einen unberechtigt breiten Raum in der Debatte einnahm, ist falsch. Sie ist ein Atavismus aus dem Jahre 1903. Unter den verantwortlichen Bundesbrüdern bis hinunter zum jüngsten Chargierten gibt es keinen, keinen einzigen, der Gallith und Galutharbeit als Ziel bejaht. Viele jedoch bejahen Beschäftigung mit Galuthdingen als Mittel zionistischer Erziehung. Richtig erscheint mir Schnurmachers Zerlegung der zionistischen Aufgabe des K. J. V. in das Zionist-Werden und das Zionist-Sein. Richtig erscheint mir auch die zeitliche Zuordnung dieser Aufgabe: Zionist- Werden als Sache der Aktivitas, Zionist-Sein als Sache der Altherrenschaft. Der Folgerung, daß die zionistisch-politische Tat von der Altherrenschaft zu leisten sei, während sich die Aktivitas als Objekt und — in ihren älteren Vertretern — zugleich als Subjekt der zionistischen Erziehung zu betrachten habe, stimme ich daher zu. Ueberflüssig zu betonen, daß auch für mich das objektive Ziel des Zionismus Zibn und der subjektive Sinn des Zionismus die im Ringen um dieses Ziel sich formende Persönlichkeit ist. Nur sind, wie auch Schnurmacher betont, diese Erkenntnisse weder neu, noch sind sie von irgendeinem maßgebenden Bundesbruder bestritten. Um das Ziel kämpfte man mit einer gewissen Berechtigung vor zwanzig Jahren, um das Ziel kämpfte man mit noch mehr Berechtigung noch einmal vor a Jahren. Heute ist die Frage nach dem Ziel endgültig beantwortet. Es wird allmählich langweilig, sie immer erneut zu stellen und unter übermäßigem Aufwand dialektischen Scharfsinns für alte Wahrheiten neue Formulierungen zu suchen. Das ist langweilig, unschöpferisch und überflüssig. Die Aussprache über „Zionismus als unsere Erziehungsaufgabe" darf im Jahre 192S keine Diskussion über das Erziehungs ziel sein. Sie hat der Auffindung pädagogisch vernünftiger Erziehungs methoden zu dienen. III. Wie sehen unsere Menschen heute aus und welche Möglichkeiten der Erziehung haben wir? Mit dieser Frage, scheint mir, hat unsere Erziehungsarbeit zu beginnen. Der junge Bundesbruder, der heute aufgenommen wird, ist normalerweise ein Student aus bürgerlichem deutsch-jüdischen Hause. Zur Judenfrage hat er meist ohne eigenes tieferes Nachdenken entsprechend den Tendenzen seiner engeren Umgebung Stellung genommen. Diese Stellungnahme (oft assimilantisch, manchmal positiv jüdisch, gelegentlich zionistisch, 6