Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 4 (August 1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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diese Erklärung geleite!: ist. Freud geht au* von der l:s:.:-.l)c Jos in. hlichen Elends, der Hilflosigkeit des # Menschen gegenüb.-: dei Geh', --u, mit denen ihn das sogenannte „Schicksal", d. h. die uK;c/v,ur.r;e::o Natur und die anderen Mensehen, bedrohen; nicht nur seile E\iV< sondern zuvor sein Selbstgefühl sind aufs seh v/erste beJ-v.ht; ir ist elend, er fühlt sich elend. Die Religion nr:i ist „geboren;-u> cem R Jürfnis, die menschliche Hilflosigkeit erträglich zu m:i.T. (!* > S-.ka--f verwahrt sich Freud dagegen, daß das Gefühl der inen schlicken islekiheit und Ohnmacht vor dem Ganzen der Weh" als religiös an..e<prue.e.1! werde: nicht dieses Gefühl macht das Wesen der Religiosität aus . .; *oudei"u erst der nächste Schritt, die Reaktion darauf, die gegen dieses Gefühl eine Abhilfe sucht." (52.) Die Religion ist eine Illusion. Damit ist zunächst noch nicht gesagt, daß die religiösen Lehren Irrtümer sind: ei gibt auch Illusionen, die sich bewahrheiten. Aber die Tatsache, daß dbn Behauptungen der Religion zufolge die Lage des Menschen so ist, wie er sie sich wünschen müßte, macht diese Behauptungen verdächtig: ,,\Vir sagen uns, es wäre ja sehr schön, wenn es einen Gott gäbe als Vv'cteuschöpfer und gütige Vorsehung, eine sittliche Weltordnung und ein jenseiiges Leben, aber es ist doch sehr auffällig, daß dies alles so ist, wie vir es uns wünschen müssen." (53.) Daß die Religion Trost und Hille stundet, wird zum entscheidenden Einwand gegen sie. Gar sehr bedürfen wir des Trostes: Grund genug, um vor Illusionen, die uns über unsere wirkliche Lage hinwegtäuschen, auf der Hut zu sein. Diese Kritik schätzt man erst dann richtig ein, wenn man sich vergegenwärtigt, wie die Religionskriik früherer Jahrhunderte beschaffen war. Die frühere Kritik war von der'Überzeugung getragen, hochgetragen, daß nach der Niederwerfung der Religion das Zeitalter des Glücks, der Himmel auf Erden beginnen werde; jedenfalls versprach sie sich etwas von dem Untergang der Religion. Freud verspricht nichts; es sei denn die Einsicht in die wirkliche Lage des Menschen. So ist also der Stand des Kampfs zwischen Glauben und Unglauben. Schon lange ist entschieden, daß kein Aufstieg von der Wüt zu .Gott möglich ist ohne Voraussetzung des Glaubens; nunmehr isi auch entschieden, daß die Aufklärung über die Lage des Menschen, über das Elend des Menschen nicht zu Gott führt, wenn Gott nicht schon vorausgesetzt wird. Schon lange ist entschieden, daß die Eirehtbarkeit des Glaubens kein Einwand gegen den Glauben ist; numuelr ist auch der Unglaube zu der Einsicht herangereift, daß die vielleicht verzweifelte Lage, in welche der Mensch durch den Unglauben gerät, in keiner Weise den Glauben begründet. Viel ist gewonnen, wenn die Trost los ig-" keit, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit des Menschen, wenn ,4as Elend des /Menschen ohne Gott", wenn die Unruhe, Friedlosigheit Schalheit und Flachheit de. Lebens ohne Gott kein Einwand gegen den Unglauben ' mehr ist; wenn es nicht mehr als ausgeschlossen erscheint, dal. Wahrheit und Tiefe Gegensätze sind, daß nur die Illusion Tiefe hat. Von hier aus ist ':.e Frage zu stellen, die durch Freuds Trink offen gelassen wird. Ist es - wie Freud voraussetzt — der Sinn des Glaubens, Trost und Hilfe zu spenden, dem Leben Sinn, Frieden, Tiefe zu geben?-' 21