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Der jüdische Student · 1928-08-01 · Heft 4 (August 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 4 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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selbst nick; hat? Die Erfahrungen der Gläubigen sck:.:gen sich nie d in Auw gen; diese Aufsagen sind als solche feststellbar; die verschied v n» Aussagen sind vergleichbar; die vergleichende Betrachtung der Aussah-;, die jn verschiedenen Zeitaltern seitens der Gläubigen gemacht worden sind, lehrt, daß es eine Geschichte des Glaubens gibt, daß der Gl;.'-.', -sich in einer wesentlichen Hinsicht gewandelt hat: „allmählich verschk l,\ sich innerhalb dieser Leistungen (sc. der religiösen Vorstellungen) d.t Akzent." Der Akzent rückt von der Natur auf den Menschen; ,/d::, Moral! >che (wird) ihre eigentliche Domäne/' (26 f.) Die Macht Go\W< über die Natur zeigte sich früheren Geschlechtern in den Wundern; <n- Veränderung in der Stellung zu den Wundern ist symptomatisch für d\ Veränderung, die im Zentrum des Glaubens vor sich gegangen ist. Von gläubiger Seite ist bemerkt worden, daß bereits in der Schrift der Akzent nicht auf der Wunder - Tatsache, sondern auf der Wunder -Erwartung liegt: Gottvertrauen bekundet nicht, wer das eingetretene Wunder konstatiert oder auf die Berichte Anderer hin glaubt, sondern, wer das künftige Wunder gläubig erwartet. Diese Bemerkung ist nur halb richtig; sie vernachlässigt, daß es im Sinn der Schrift durchaus auch darauf ankommt, daß das Wunder eingetreten ist; und von diesem Auehdarauf-aukommen bis zum Gleichgültigwerden ist ein weiter Weg. Man übertreibt nicht, wenn man sagt, daß unter den Gläubigen unseres Zeitalters wenig Neigung besteht, die biblischen Wunder als Wirklichkeiten anzuerkennen. Was bedeutet dieser Widerstand? Die Macht Gottes über die Natur ist unglaubwürdig geworden; die Gottesbehauptung gilt nur mehr für die innere Welt, für die Welt des Herzens. Wenn dem so ist, so muß gesagt werden, daß an den Gott der Schrift, den Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der nicht nur der Menschen Herzen wie Wasserbäche lenkt, sondern auch mit Schöpferfreiheit das natürliche Geschehen leitet, nicht mehr geglaubt wird. Was ist aber von einem Gottesglauhen zu halten, der sich so gewandelt hat? „Wenn es sich um Fragen fder Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen UnaufrichtigkuteIi und intellektuellen Unarten schuldig. Philosophen überdehnen die Bedeutung von Worten, bis diese kaum etwas von ihrem ursprünglichen Sinn übrigbehalten, sie heißen irgendeine verschwommene Abstraktion, die sie sich geschaffen haben, „Gott", und sind nun auch Deisten, Gottesgläubige, vor aller Welt, können sich selbst rühmen, einen höheren, reineren Gotteshegriff erkannt zu haben, obwohl ihr Gott nur mehr ein wesenloser Schatten ist und nicht mehr die machtvolle Persönlichkeit der religiösen Lehre." (51 f.) Freud bemerkt ausdrücklich (59), daß seine Religionskritik unabhängig ist von der Psychoanalyse, der von ihm begründeten Wissenschaft. Die psycho-anedyti^che Erklärung der Religion ist in der Tat überhaupt erst dann als Aufgabe verständlich, wenn die Religion unglaubwürdig wev/order. ist; dann aber wird es notwendig, die Religion zu erklären, zu fragen, aus welchen Gründen die Menschen darauf kamen, sich einen Gott zu erdichten, sich au einen Gott zu hängen. Die übrigens auf dem Boden des Atheismus durchaus bestreitbare Freudsche Erklärung der Religion braucht uns hier nicht /u beschäftigen; wichtig ist für uns die Tendenz, von der 20

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