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Der jüdische Student · 1928-08-01 · Heft 4 (August 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 4 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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•in der Schritt vorfindet oder daß sie von de; Traditio;- a;:frec';icrh:d:c:i wird. Das klassische Beispiel sind die Wunder. Daß es Wtüdcr ^ib kann darum nicht aus der Schrift bewiesen werden, wu! jede Garantie dafür fehlt, daß die Verfasser der Wunderberichte oder d^cu Gewährsmänner hinreichend genau b-obachtet und hinreichend streng analysiert haben. „Wir wissen ungefähr, zu welchen Zeiten die religio^:! Lehren geschaffen worden sind und von was für Menschen14 (5-). Die religiösen Vorstellungen entstammen einem Zei./.Ucr mit geringer wis>en:vh lubcher Kultur (41, 53); der wissenschafdicD Geist ist sich bewußt, daß sein Denken disziplinierter ist als das Denken der vorv. issen-elnftlicheu Menschheit. Als letzte Möglichkeit, die religiösen Lehren zu begründen, bleibt die eigene, gegenwärtige Erfahrung der Gläubigen. Diese B.-^i undangsweise entspricht dem heute herrschenden Geist, dem positiven Geist, ans meisten; daher denn auch nur die Auseinandersetzung mit ihr wichtig und notwendig ist. Die positive Begründung der Religion schlieft grundsätzlich jede auswärtige oder mittelbare Begründung, sei es du;eh & Physik', sei es durch Schrift und Tradition, aus; sie beruft sieh allein auf das, was der Gläubige sieht, was er erfährt. Der Ungläubige scheint daher nichts weiter tun zu können, als gestehen: ich sehe und erfahre nichts von dem, was du, Gläubiger, zu sehen und zu erfahren behauptest; ich muß also versuchen, mich auf Grund meiner Erfahrungen zurechtzufinden; du kannst nicht von mir verlangen, daß ich mich auf chs verlasse, was du zu sehen und zu erfahren behauptest. „Wenn der Eine aus «tncni ihn tief ergreifenden ekstatischen Zustand die unerschütterliche Uebetrzeugung von der realen Wahrheit der religiösen Lehren gewonnen hat, was bedeutet das dem Anderen?" (44). Die Schwierigkeit wird dadurch aber noch großer. Wenn der Ungläubige versichert, daß er nichts von dem sieht oder erfährt, was der Gläubige zu sehen oder zu erfahren l&ehauptet, gesteht er damit nicht zu, daß ihm ein Organ fehlt, daß er Wind ist? Den Vorwurf kann er dem Gläubigen nicht zurückgeben: Jena der Gläubige sieht alles, was der Ungläubige sieht, und er sieht mehr als dieser. Spricht aber nicht in aller Welt die Vermutung eher für den Sehenden als für den Bünden, für den Mehr-Sehenden eher als für den Weniger-Sehenden? Die Emphase der Berufung auf die Erfahrung wird dadurch gedämpft, daß es auch Hexen-, Geister- und Teufels-Erfahrung gibt. Nun könnte man, an die Teufelscrfahrung des Iwan Karamasoff erinnernd, sagen, daß diese Erfahrung livans unendlich viel wichtiger sei, ihm unendlich viel Tieferes saj-e als alles, was ihm die bewunderungswürdigsten Wissenschaften zu sagen vermöchten; es düiifte sich gegen diese Einschätzung der inneren Welt nicht viel einwenden; lassen. Aber Wichtigkeit und Tiefe sind schlechte Kriterien, wenn sie: um die Wahrheit handelt. Die wichtigsten und tiefsten Behauptungen der Religion werden kraf:Tos, wenn Gott nicht existiert. Die Gläubigen versichern, die Existenz Gotte> erfaluen zu haben, Gott begegnet zu sein; dk Ungläubigen versichern nici.. nur, daß sie keine derartigen Erfahrungen gehabt haben, sie zweifeln übe.dies die Erfahrung der Gläubigen an. Weiche Möglichkeiten hat der Ung'iubige, um Erfahrungen zu kontrollieren, die er 10

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