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Der jüdische Student · 1928-08-01 · Heft 4 (August 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 4 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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d:;> Gesetz gestellt ist, und damit kapituliert er: entweder vor dein entschlossenen Glauben oder vor dem entsch-o-senen Unglauben. Der politische Zionismus, d. r sich radikal begründen will, muß sich als ungläubig begründen. Die AuseinanJersetzung zwischen dem politischen Zioni .::i:s und seinen radikalen Gegnern ist nur als Kampf zwischen Unglauben v i Glauben zu führen. Dieser Kampf ist alt, „das ewige und einzige Tkomä aller Welt- und Menschengeschichte4'. Dieser Kampf, der in der I. poche der Kultur- und Erlebnis-Philosophie fast eingeschlafen war, wird in Freuds erwähnter Schrift wieder aufgenommen. Sehen wir zu, was Freud will und was er erreicht. Das Aeufierste, was Freud erreichen könnte, wäre die Widerlegung der religiösen Vorstellungen. Widerlegung ist zunächst denkbar: hat doch, dem Bericht des ersten Königsbuchs zufolge, Elia dem Volk experimentell bewiesen, daß Baal keine Macht hat gegenüber Jahve. „Als Sankt Bonifazius den von den Sachsen als heilig verehrten Baum umhieb, erwarteten die Umstehenden ein fürchterliches Ereignis als Folge des Frevels. Es trat nicht ein und die Sachsen nahmen die Taufe an." (65). Shaw hat gelegentlich folgendes Experiment gemacht; er legte eine Uhr voj sich auf den Tisch und sagte: wenn Gott existiert und wenn er den Atheismus mißbilligt, dann möge er binnen fünf Minuten in das Maus, in dem ich mich befinde, einen Blitz schleudern; es schlug kein Blitz ein. Das Experiment hat wenig Beweiskraft; es könnte ja sein, daß Gott existierte und Humor genug hätte, die Menschen auf ihre Weise selig werden zu lassen, über „Gotteslästerung" anders zu denken als Pfaffen und Staatsanwälte. Wenn Gottes Gedanken nicht der Menschen Gedanken und der Menschen Wege nicht' Gottes Wege sind, dann sind Gottes Gedanken und Wege nicht experimentell kontrollierbar; und nicht nur dies: dann ist jeder Versuch, die Leugnung der Existenz Gottes mit wissenschaftlichen Mitteln direkt zu begründen, grundsätzlich verfehlt. Die Einsicht in diese Unmöglichkeit ist Voraussetzung für Freuds Kritik: „Ueher den Realitätswert der ineisten von ihnen (der religiösen Lehren) kann man nicht urteilen. So wie sie unbeweisbar sind, sind sie auch unwiderlegbar." (50). Der Bereich der wissenschaftlichen Erkenntnis ist so begrenzt, daß die Wissenschaft die Religion nicht widerlegen kann. Heißt das aber, daß die Wissenschaft nicht Richteriu der Religion ist und sein kann? Keineswegs. Die Religionskritik kann zwar nicht die religiösen Lehren, wohl aber die Begründungen dieser Lehren erschüttern. Welche Möglichkeiten der Begründung stehen der Religion zur Verfügung? Bis vor wenigen Jahrhunderten war es die Ansicht aller Physiker, daß die Physik die Existenz Gottes beweisen könne und beweise. Durch die Entwicklung der letzten Jahrhunderte ist jedoch diesem Gottesbeweis wie den anderen Gottesbeweisen der Boden entzogen worden. Die Behiyiptnng, daß Gott existiert, kann uuwiderlegt bleiben:-auf ihren wissenschaftlichen Wert hin beurteilt, ist sie nicht mehr als eine Hypothese unter vielen. Die zweite Möglichkeit der Begründung ist die Berufung auf Schrift und Tradition. Auch diese Möglichkeit ist zur Unmöglichkeit geworden. Es spricht nicht im mindesten für die Wahrheit einer Lehre, daß sie sich 18

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