Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1928-08-01 · Heft 4 (August 1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 4 (August 1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537794-3537798--6852-3544883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

In der Debatte sprachen zunächst einige Bundesbrüder über ihre Erfahrungen bei der Erziehungsarbeit in ihren Verbindungen. Hbr. Theo Epstein (Jordania, .München) berichtete, daß in seiner Verbindungein Burschv: kurs gegeben wurde mit einer Reihe von Abenden über aktuelle politische Fragen: Gemeindepolitik, Mandat, Jewish Agency, das Buch von Wedgewood. — Außerdem hat es in München einen zionistischen Arbeitskreis gegeben, im wesentlichen aus den Mitgliedern des C. C. bestellend, der in München zionistisch arbeitete (N. F.-Arbeit, Herzl-Feier usw.). Zu dem Referat von Bbr. Tuchler äußerte Epstein, daß die menschliche Erziehung auch eine Frage der persönlichen Auslese sei, die am besten bei der Burschenrezeption vorzunehmen wäre. Bbr. Saul (Ivria, Heidelberg) sprach gegen zu hohe wissensmäßige Anforderungen bei den Burschenexamina, wie sie ihm bekannt geworden seien. Er forderte statt dessen Erhöhung der Anforderungen an die menschliche Reife der aufzunehmenden Burschen. B b r. FI e y m a n n (Hatikwah, Köln) wies auf die Notwendigkeit eines stärkeren persönlichen Zusammenhangs und Beachtung aller menschlichen Beziehungen in der Entwicklung der Bundesbrüder hin. Bbr. Schnur in acher (Maccabaea, Berlin) nahm grundsätzlich zu den Ausführungen von Bundesbruder Tuchler Stellung. Er verwahrte sich zunächst dagegen, in irgendeinem Punkte die von Tuchler aufgestellten Forderungen in ihrer Berechtigung herabsetzen zu wollen, unterstrich aber, daß die Rangordnung dieser Forderungen seiner Meinung nach eine andere sein müsse. Der heute im Kartell vorhandene Zionismus leide unter bestimmten Mängeln. Dieser Zionismus sei heute überhaupt nur im Kartell möglich, sonst auf der ganzen Welt nicht zu finden. Er zeichne sich aus durch einen hohen Grad von Lebensfremdheit und akademischem Ueber-den- Dingen-sfehen. Auf diese Mängel der heutigen Situation des Kartells müsse man in der Untersuchung eingehen, und die Erziehungsforderungen darauf abstellen. in diesem Zusammenhang sei eine Forderung von Bbr. Tuchler besonders zu unterstreichen: es komme in der Tat vor allem darauf an, den Zionismus dem Kartell nahezubringen. Das bedeute praktisch zunächst auch wieder eine Beschäftigung mit allen Fragen, die für die zionistische Gesamtbewegung von zentraler Bedeutung sind. Man müsse sich dabei aber vor dem Fehler hüten, es mit einer intellektuellen Durchdringung dieser Probleme genug sein zu lassen. Die Forderung von Bbr. Tuchler, an dem politischen Leben des Tages, so wie es in dem Kampf der Meinungen in Erscheinung tritt, stärker Anteil zu nehmen, sei vollauf berechtigt. Es genüge nicht, im internen Kreis der Biutdesbiüder politische Probleme zu diskutieren mit der Absicht, nach einer auf hohem Niveau geführten Diskussion zu einer gut fundierten und w o h lab g e w o g e n e r 1 Meinung zu kommen. Diese Art von; „Politisierung44 sei sinnlos und müsse sich totlaufen. Wenn eine Diskussion nicht mit Einsatz aller persönlichen Kräfte geführt werde, so sei sie erzieherisch wertlos, dies in dem Maße, daß sogar rein erkenntnismäßig eine Erfassung des Gegenstand.es so nicht möglich sei. Die psychische Position der politischen Gegner auf beiden Seiten könne man nicht erkennen, wenn man sich nicht selbst auf den Kampfplatz begebe. Deshalb solle man in der 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.