Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 4 (August 1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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w o r 11 i c h fühlt und bemüht ist, an dem P a 1 ä s \ i l a w e r k i n einem sowohl seiner E i g ri u n g w i e den II r f o r d e r r. i s s e n des A u f b a u s entsprechenden Weise rn i t z u a r b .t i t e n , f ü r d e n j e d o c h zionistische Bewährung nur eine A u s d r u c k sf o r in menschlicher Bewahrung ist. Zionist sein heißt einmal, das Essentielle der Judenfrage und den Zionismus als einzig mögliche Lösung erkennen, zum anderen: sieh einstellen in den auf diese Lösung gerichteten geschichtlichen Prozeß. Diese Erkenntnis und diese Einordnung zu vermitteln, ist unsere erste Erzichungsaufgabe. Das beste Mittel hierzu ist die Erschließung der jüdischen Geschkhte. Hieraus ergibt sich nicht nur eine von wechselnden Ideologien unabhängige Fundierung des Zionismus, sondern diese geschichtliche Betrachtung entspricht auch am meisten dem Wesen des Judentums. Man kann zwar Zionist auch werden aus einmaligem persönlichen Erlebnis, „am Lagerfeuer4; man kann es jetzt, nach 30 Jahren, auch schon aus Tradition, indem man in den Zionismus „hineingeboren'' wird. Aber als bewußtes Erziehungsmittel ist der Geschichtsunterricht unübertroffen. Darum ist es notwendig, überall, wo es möglich ist, Geschichtskurse einzurichten, aber auch gemeinsame Lektüre der vielen, auch der älteren und auch der von Nichtjuden stammenden Werke ist erforderlich (Graetz u n & DubnovvJ. Auf diese Weise ist es möglich, eher zu einer inhaltlichen Erziehung zu 'iornmen, als durch die bloße Darstellung der heutigen Situation jüdischer Menschen. Diese ist zwar als Erkenntnisquelle und Weg zum Zionismus wichtig, aber nur als Teil und im Rahmen der Gesamtgeschichte. Isoliert führt sie nur formal zum Zionismus. So Zionist geworden, wird man es aus Treue, vielleicht, bleiben; aber die formale Erkenntnis kann das Leben nidit ausfüllen. Wir sind ja keine Partei, der ihre eigene Satzung genügt, sondern — in nuce — das jüdische Volk. Wenn Zionismus Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland ist, so muß unsere ErziehungsatiSgabe Rückkehr zum Judentum sein. Alle zionistische Lektüre ist auch bestenfalls nur das Tor zu den Inhalten des Judentums selbst. Um vom Fonmalen zum Inhaltlichen zu kommen, sollten wir vor allem die vorhandenen Möglichkeiten ausnutzen: Universität, Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Bibliotheken. In Berlin kommt auch eine Benutzung der freien Jüdischen Volkshochschule in Frage, wo das nicht möglich ist, müssen Vortragszyklen eventuell unter Hinzuziehung von Nichtzionisten eingerichtet werden. Die Zielsetzung der Judaisicrung bedeutet, daß uns nichts Jüdisches fremd sein darf. In Familie, Synagoge usw. dürfen wir nichts Jüdisches leichthin abstreifen. Der jüdische Antisemitismus ist nicht auf die „Assinilanten beschränkt, sondern v. ird auch in zionistischen Kreisen angetroffen Auch für uns gilt: „Was Du ererbt .. Jüdische Geschichte ut:d Beschäftigung mit jüdischen Inhalten, zum Zionismus führende Kurse und zum Judentum führende Vortragszyklen müssen ergänzt werde, durch Hebräischlernen. Das ist unerläßlich sowohl für jene Judaisierung für die Verknüpfung mit Palästina. Die Forderung muß für uns feststehen, obwohl die Wege großenteils noch gefunden werden müssen. Ich schlage eine hebräische Matrikel vor, einen Kataster, der wie die Adressenkartothek auf dem Laufenden gehalten werden muß und