Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1928-07-01 · Heft 3 (Juli 1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 3 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537794-3537797--6809-3544839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

schränkten, bei denen wir den Tagungscharakter in den Vordergrund schoben. Von der alten Romantik und den ersten Plänen waren aber noch beträchtliche Reste geblieben. Ich erinnere nur an den Beginn und an die Schlußfeuer auf der Ruine und in den Burgkellern, an die Ueberschwemmung der Scheunen und die allmorgentliche Gymnastik, das anschließende Bad im Kocher und die Wanderungen. Damit ist eigentlich die Reihe unserer wichtigen Camps geschlossen, denn das Bonner „Camp" wird von allen Teilnehmern — ich weiß da hur vom Hörensagen Bescheid — als eine Sommertagung angesehen. Das Bezeichnende an unserer Campgeschichte ist, daß wir — wie es leider bei uns häufig ist — nicht der Ideen und der brauchbaren Menschen ermangeln, sondern daß wir in den Anfängen steckenbleiben und keine Tradition entwickeln. Die ersten drei Camps waren möglich, weil es einen Kreis — hauptsächlich im Ruder- und Sport-V. J. St. — J£ab, der sich für den Gedanken des K. J. V.er-Lagers begeistert einsetzte. Ferner aber standen alle Verbindungen den Formen der Jugendbewegung näher, Sport und Wanderungen waren auf allen Wochenprogrammen zu finden. Außerdem lebte ein bestimmtes Bundesgefühl. Das Kartell als Gesamtheit war dem einzelnen noch lebendige Wirklichkeit. Heute besteht, wie ich auch eingangs sagte, ein starker Mangel an diesen Voraussetzungen. Daß man sich dessen bewußt ist und darüber hinwegzukommen versucht, bewies der Begrüßungsabend des letzten Kartelltages. Es ist auch ein erfreuliches Zeichen, daß man wieder ein Camp vorbereitet. Das Wesentliche dabei scheint mir die Vorbereitung in den Verbindungen zu sein, der Wunsch der Aktiven, so wie wir es damals empfanden, ein paar Tage unter K. J. V.ertum unmittelbar zu erleben. Aehnlich wie auf dem Kartelltag, jedoch unbeschwert von dem Ernst der Verhandlung und der Entscheidung lebt man die Tage unter Bundesbrüdern, lernt sich kennen im freiwilligen Zwange des Zusammenlebens, beim gemeinsamen Spiel, in der Sorglosigkeit einer schönen Umgebung, befreit vom Gleichmaß des Alltags und vom Gebot der Stunde. Ein Häuflein von zwanzig fingen wir an und konnten uns zweimal verdoppeln. Aufgabe des neuen Präsidiums wird es sein, das kommende Camp als Neubeginn zu rechnen und den Gedanken nicht wieder einschlafen zu lassen. Auf die Verbindungen muß dahin eingewirkt werden, daß sie durch Wanderungen und Sport den Geist erziehen, aus dem aHein ein Camp geschaffen wird. Rechtzeitige Gründung von Campfonds soll die Teilnehmerschaft vieler sichern. Aber auch hier darf man nicht einige Wochen vorher beginnen, sondern das Präsidium muß mehrmals irn Jahre mahnen und erinnern. Die Frage der Seminare und Lehrkurse findet gleichfalls durch das Camp die beste Lösung, da hier keine Ablenkung besteht und die Sammlung der Mitarbeiter — im Gegensatz zu Tagungen in der Stadt — ein Leichtes ist. Es bleibt noch viel zu tun, aber keine übergroßen Schwierigkeiten stehen im Wege, bis das Camp zu der zentralen Tagung des Kartells neben dem Kartelltag wird. Kommt mit diesem Willen nach Geisa und faßt das Camp als Anfang eines neuen Abschnittes der Kartellgeschichte auf! 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.