Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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der zionistischen Politik ist Messionismus. Reiners Aufsatz ist bezeichnend weil diese Forderungen für uns die notwendigen Konsequenzen des Zionismus sind, müssen wir sagen, daß der antipolitische Zionismus nicht unser Zionismus ist. Deswegen verstehen wir im Zionismus keinen neuen Messianismus, sondern eine Forderung für das irdische Leben des jüdischen Volkes. Deswegen ist unser Zionismus kein Missionsjudentum, mit dem der antipolitische Zionismus vieles gemeinsam hat, sondern er sieht die Nation in ihrer ganzen Einfachheit und gerade deswegen in ihrer ganzen Kraft und wirklichen Schönheit. Auch hier zeigt sich, daß wir im Zionismus uns kein Phantasiebild zurechtmachen, sondern Wirklichkeit gestalten wollen. Auch hier wollen wir nicht in das Reich der Phantasie flüchten, sondern uns lockt die Wirklichkeit mit all ihren Mängeln deswegen^ weil sie allein Wirklichkeit ist. L:.r. Ich bin zum Schluß darangekommen womit ich angefangen habe: zur Abwehr eines Zionismus, der wenig mehr mit der Erde zu tun hat. Die Forderungen, die wie ich glaube, in der heutigen zionistischen Situation durchzusetzen sind, gehen auf eine realistische Wirtschaft, auf die Behauptung der richtig verstandenen politischen Natur des Zionismus als der einzig haltbaren Begründung, als der einzigen mit der wir Geschichte gestalten können, auf die Anerkennung der Verpflichtung gegenüber der Erkenntnis, die der Zionismus bedeutet, der Verpflichtung gegenüber dem geistigen Charakter der Bewegung, die immer unsere eigentliche Kraft war. Diese Erkenntnis ist es, die uns die zionistische Leidenschaft erhält. Aus ihr können wir die Kraft ableiten, zum Kampf gegen das Beruhigtwerden, gegen eine Art von Altherrentum, die den Zionismus einreiht in die Reihe der üblichen Jugendtorheiten und heute konstatieren will, man hätte sich doch damals die Sache ganz anders vorgestellt. Nein, wir stellen uns die Sache heute genau so vor, wie damals, und deswegen verlangen wir auch im Zionismus: Krieg den Philistern! Man will uns — und viele von uns verlangen dies jetzt 'selbst — m oen bürgerlichen Zionismus einreihen. Ich kann diesen Gegensatz zwischen bürgerlich und nichtbürgerlich für uns nicht anerkennen, und ich wehre mich dagegen, daß irgend ein anderer kommen und mir ein Etikett aufkleben kann, das e r beschrieben hat. Das Wort Bürger hat einen doppelten Sinn. Es bedeutet einmal den Staatsbürger, den politischen Menschen, der für den Griechen der Bürger war. Bürger in diesem Sinne wollen wir sein als Diener eines Volkes, die das Volk nicht entbehren kann. Bürger in anderem Sinne bedeutet aber Bourgeois, und das ist heute gemeint.- Der Leitsatz des Bourgeois ist: qieta non movere. Ein solcher Bürger, dessen oberstes Prinzip ist, daß möglichst alles so bleiben soll, wie jes war, kann der Zionist nicht sein. Denn er will die Welt iverändern. Deswegen verlangt der Zionismus von uns, daß wir die Tendenz zur Philistrosität ausrotten durch Hingabe an unsere Sache, durch Disziplin im Dienste der Idee, die uns, wie wir früher einmal hofften, als Gruppe auszeichnen wird, 41