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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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dafür, daß diese Anschauung in Wirklichkeit mit politischem Zionismus, nichts mehr zu tun hat, sondern eine antipolitische Stimmung wiedergibt. Das zeigt sich in der Art, wie er den politischen Zionismus .charakterisiert und wie er die Erlangung von Macht überhaupt ablehnt. Diese Auffassung wird als biologischer Zionismus dem politischen Zionismus gegenübergestellt. In dieser Beziehung liegt freilich eine unbewußte Selbstironie, denn Reiner weiß offenbar nicht, daß gerade der biologische Charakter, die Erkenntnis der Bedeutung der Lebenskraft ist, die dem Zionismus seinen politischen Charakter aufzwingt. Der politische Zionismus ist, wie jede politische Bewegung, ein Ausdruck der Grundkraft, die den Vitalismus als das eigentliche, der Politik zugrundliegende Prinzip erscheinen läßt. Diese Auffassung knüpft an an Achad Haam, von dem ja der Begriff des kulturellen Zentrums stammt. Und im Anschluß an Achad Haam hat auch Weltsch im Buberheft die Auffassung entwickelt, daß in der qualitativen Auszeichnung der jüdischen Hauptsiedlung das eigentlich Positive für die Lösung der Judenfrage liege. Zu allen diesen Gedankengängen ist eins zu sagen: Sie fordern für das Judentum eine neue Form anormaler Existenz. Denn kein anderes Volk lebt so, wie die Vertreter dieser Auffassung es wollen. Es kann verschiedene Formen anormaler Existenz geben, das Galtith war eine solche Form. Aber Galuth mit Palästina ist auch nur eine Form der anormalen Existenz und eine Siedlung, die durch die Qualität ihres Lebens das Leben der Gesamtheit sichern soll, wäre auch eine solche Form der Existenz, wie sie von anderen Völkern nicht geführt wird. Natürlich gibt es eine Diaspora auch bei anderen Völkern. Aber in der Diaspora bleibt immer nur eine Generation zugehörig zur Nation, dann verschwindet sie in der Umgebung. Sie ist als Existenzform der Nation unwesentlich. Der Zionismus beruht auf der ErkenntnJ«; —effe heute banal ist — £(aß die Juden ein Volk sind und auf der weiteren Erkenntnis, daß dieses Volk unter anormalen Bedingungen lebt. Seine Lösung der Judenfrage ist, daß für dieses Volk die Bedingungen normaler Existenz geschaffen werden sollen. Deswegen ist der Zionismus politischer Zionismus. Politik ist die notwendige Form, in der die Nation ihr Leben führt, in gewissem Maße das Atmen der Nation. Alle unsere Hoffnungen sind darauf aufgebaut, daß diese Möglichkeit eines Lebens, wie es Nationen fuhren können, eines Lebens durch politische Existenz, wieder geschaffen werden. Diese Auffassung bedeutet keineswegs, daß man den Judenstaat verlangen muß. Das Wort Judenstaat trifft nicht ganz den wesentlichen Inhalt des eben ausgedrückten Gedankens, sondern bezeichnet eine zufällige Form. Die große Wirkung dieser Herzischen Hauptformulierung ruhte unter anderem darauf, daß sie in einer durchschlagenden, auch heute noch nicht übertroffenen Bezeichnung diese neue Form jüdischer Gleichberechtigung proklamierte, die in der Beseitigung der anormalen Existenzbedingungen, in dem Eintritt in die Reihe der politisch lebenden }^

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