Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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die innere Entwicklung der Gesamtorganisation wichtige Frage herangehen könnte. Wenn wir die Dritte Internationale wären, so hätten wir sicher unsere Emissäre schon in dieses Land geschickt, das für unsere Entwicklung von überragender Bedeutung ist. Wir schicken ja tatsächlich die verschiedensten Gesandtschaften nach Amerika, aber leider immer zum Geldsammeln, unl sie machen ihre Arbeit dort in dem Stil, der ühnen aufgezwungen wird, der für die Verbreitung des Zionismus wertlos ist, und der die Arbeiter selbst zermürbt. Von den aktuellen Kämpfen können wir, soweit wir es übersehen können, für eine Entwicklung in der Art, wie sie uns notwendig erscheint nichts erwarten, und deswegen glauben wir, daß diese Kämpfe nach Möglichkeit v ermieden werden müßten. Was wir tun können, ist, unsere Auffassung vom Zionismus nach Möglichkeit zur Geltung zu bringen, um die notwendige Auseinandersetzung mit diesem, den Menschen verpflichtenden Zionismus vorzubereiten. Bestehen auch auf dem Gebiete der Politik Tendenzen, in denen sich grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten ausdrücken? Ich will hier alles ausschalten, was mit Urteil über Personen zu tun hat und wozu Kenntnis der Tatsachen gehört. Die Meinungsverschiedenheiten, die sich auf Grund dieses Materials ergeben könnten, sind für die politische Praxis höchst wichtig und eigentlich entscheidend. Aber in diesen Meinungsverschiedenheiten brauchen sich keine grundsätzlichen Tendenzen auszudrücken. Eine solche grundsätzliche Tendenz liegt in der Art, wie von einer Gruppe von Zionisten die Forderung des judenstaates betont wird. Dieser Gegensatz ist seit langem bekannt. Heute ist es zunächst wichtig, auf eine andere grundsätzliche Differenz hinzuweisen, die auf dem Gebiete der Politik zum Ausdruck kommt. Es gibt ein Bestreben, die politischen Ziele des Zionismus möglichst einzuengen und seinen politischen Charakter nach Möglichkeit in Zweifel zu ziehen. Die Beschränkung der politischen Ziele wird vor allem gefördert durch die objektiven Bedingungen, unter denen wir leben und die uns immer auf die Linie der Bescheidenheit stoßen. Diese Tendenz wird gefördert von englischen Politikern, welche die mit dem Zionismus verbundenen Unbeqemlichkeiten für die arabische Politik Englands nach Möglichkeit vermeiden und die politischen Forderungen des Zionismus daher möglichst verdünnen wollen. Eine weitere Unterstützung erfährt diese Tendenz zur Beschränkung auf politischem Gebiet auch von englischen Freunden des Zionismus, die erklären, daß das kulturelle Zentrum die Hauptsache wäre und daß politische Aspirationen, Aspirationen auf Machtentwicklung unnötig oder schädlich wären. Fast der ganze Zionismus steht gegen diese Auffassung, aber es gibt eine Gruppe von Zionisten, die auf sie einzuordnen ist. Sie ist nicht sehr zahlreich, aber sie kann im Zusammenhang mit den erwähnten Strömungen außerhalb des Zionismus Bedeutung erlangen. Diese Auffassung ist im Buber-Heft des „Juden"sehr deutlich zum Ausdruck gekommen, am deutlichsten in dem Aufsatz von Reiner. Für Reiner ist der Zionismus nicht mehr Befreiung des Judentums aus einer irdischen Not, sondern die wirkliche Grundlage der zionistischen Politik ist Messianismus. Reiners Aufsatz ist bezeichnend oo OO