Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Trägem dieser privatkapitalistischen Entwicklung, soweit wie möglich machen. Die Mobilisierung zionistischen Privatkapitals ist auch in diesem Sinne eine Aufgabe der Organisation. Es darf nicht so aussehen, als tob die Organisation mit dieser Form der Erschließung Palästinas nichts zu tun habe. Die wirtschaftliche Stärkung der Organisation hängt zu einem großen Maße von der Entwicklung in Amerika ab. Und damit ist eine weitere, heute zu erörternde Tendenz berührt. Der Zwist in Amerika bedeutet! wie ohne weiteres klar ist, eine schwere Gefährdung unserer Finanzaktionen, er bedeutet möglicherweise auch eine Gefährdung der Weizmannschen Politik, obgleich die politische Begründung von Wise für sein Ausscheiden aus der Leitung des amerikanischen Zionismus nur ein Vorwand ist. Was in unserem Zusammenhang zu besprechen wäre, ist die Frage, ob der Konflikt in Amerika zionistisch fruchtbar ist. Es ist schwer, zu sagen, welchen Inhalt dieser Konflikt hat. Ich habe schon erwähnt, daß die Politik offenbar nicht der Inhalt ist. Die Wirtschaft ist es ebensowenig, denn die wirtschaftliche Auffassung, die früher von der Brandeis-Gruppe vertreten wurde, hat sich in weitem Maße durchgesetzt und wurde auf dem letzten Kongreß von beiden Gruppen gemeinsam vertreten. Wie es scheint, handelt es sich um einen mehr persönlichen Kampf um die Macht, und daran hat die Zionistische Bewegung kaum ein Interesse. Ein fruchtbarer Kampf im zionistischen Sinne würde bedeuten, daß um einen anderen Zionismus in Amerika gekämpft wird. Die Verfassung des amerikanischen Zionismus ist schon häufig genug geschildert worden. Es herrscht heute Sentimentalität statt Gesinnung. Er lebt mehr von der Erinnerung als von einer Verpflichtung gegenüber der Zukunft und die lächerliche Businesspropaganda, die nach der Meinung vieler amerikanischer Zionisten getrieben werden soll, verkennt das idealistische Motiv der Bewegung. Was durchgesetzt werden müßte, ist, daß Zionismus als eine Erkenntnis verstanden wird. Aber die Schwierigkeiten sind groß. Der Amerikanismus, die Dollarstimmung verhindern das Durchdringen einer geistigen Bewegung, wie auch der Zionismus eine werden müßte. Die amerikanischen Zionisten bezeichnen diese Auffassung, die das Fundament des Zionismus in einer Erkenntnis sieht, als Philosophie, und Philosophie ist in Amerika nicht gefragt. Abgesehen von dieser allgemeinen geistigen Verfassung würde mit der Ausbreitung des ganzen geistigen Inhalts des Zionismus das Problem Staat-Nation brennend werden und es ist nicht zu verkennen, daß dieses Problem für die amerikanischen Zionisten viel ernster sein würde und sie persönlich vor weit stärkere Konflikte stellen würde, als wir es uns vorstellen. Amerika ist in der Weltpolitik ein »Hort der Reaktion. Es ist die Macht, die mit am meisten für das unumschränkte Souveränitätsprinzip kämpft und die Entwicklung eines friedlichen Internationalismus verhindert. Dieselbe amerikanische Stimmung drückt sich aus in der scharfen nationalen Intoleranz nach innen. Eitel Zionismus, der die hier möglichen Konflikte nicht scheut und Konsequenzen zieht, scheint noch zu fehlen. Ihn zu schaffen auf der Grundlage zionistischer Erkenntnis wäre eine Gesamtaufgabe der Organisation. Wir in Deutschland können dazu kaum etwas tun. Die Frage ist, ob die Exekutive an diese für 37