Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Betrieb nicht in der Form vorhanden, wie das beim Einzelsiedier auf dem Lande der Fall ist. Der industrielle Arbeiter ist an eineriVerantworiung für das Unternehmen, in dem er arbeitet, in Wirklichkeit nicht beteiligt. Die Zusammenfassung der Arbeiter zu Genossenschaften könnte hier das Gefühl der Verantwortung und persönlichen Beteiligung in gewissem .Grade hervorrufen oder steigern, ganz abgesehen davon, daß sie geeignet wäre, die kaum erträgliche Vorstellung der Entwicklung eines industriellen Proletariats einzudämmen, die nur ganz begeisterte Klassenkämpfer für unser Land wünschen können. Von diesen Ueberlegungen aus könnte man also dazu kommen, daß ein Institut wie der Solei Boneh sehr wichtig wäre, und es ist keineswegs gesagt, daß Solei Boneh flicht gehen kann. Er könnte genau so gut arbeiten, wie etwa die Deutsche Bauhütte. Aber natürlich muß er wirtschaftlich und nicht politisch geleitet werden, natürlich muß sein Ziel sein, ein gutes Bauunternehmen und nicht ein Instrument allumfassender Kolonisationspolitik zu werden. Ich habe dieses Beispiel gebracht, um zu zeigen, daß die auf dem Kongreß siegreich gebliebene Auffassung zionistischer Wirtschaft ihre Meinung über den zionistischen Wert der Arbeiterschaft nicht verändert hat, und keineswegs grundsätzlich gegen die von der Arbeiterschaft gebilligten Unternehmungen und Formen ist. Aber diese Unternehmungen müssen nach ihren zionistischen Werten geprüft werden. Die Durchführung dieser Prüfung wird eine wichtige Aufgabe der Exekutive als Vorbereitung eines neuen Aufbaues sein. Eine andere Entstellung der Auffassung, die sich für ein gesundes Wirtschaftssystem einsetzt, geht etwa dahin, daß man — wie Lufban es ausgedrückt hat — in ihr nur den Ausdruck des Händlergeistes sieht, daß man ihre Exponenten gewissermaßen nur als fanatisierte Buchhalter begreifen will. Natürlich wissen auch wir genau, daß die eigentliche Triebkraft des Zionismus nicht im Gebiete der Wirtschaft liegt. Es ist ein außerwirtschaftliches Motiv, das uns zu wirtschaftlicher Tätigkeit in Palästina bringt. Aber wenn wir die Maschine einer eigenen Wirtschaft erst einmal ins Laufen gebracht haben, dann müssen wir ihre eigenen Gesetze anerkennen. Wir verstehen sehr gut den Wert der Idee, aber wir glauben nicht daß man Rechnen durch gute Gesinnung ersetzen kann. Deswegen haben wir den Gegensatz bezeichnet als den Gegensatz zwischen phantastischem und realistischem Zionismus, und nicht etwa zwischen idealistischem und realistischem Zionismus. Auch der realisitsche Zionismus ist idealistisch und vielleicht mehr als der phantastische, denn er will die Idee wirklich ins Leben führen. Der phantastische Zionismus begnügt sich mit der Flucht ins Reich der Phantasie. Der Kampf zwischen den beiden Auffassungen ist noch nicht entschieden. Der phantastische Zionismus lebt auf allen unseren Gebieten, auf dem Gebiete der Politik insbesondere aber nach wie vor auf dem Gebiete, der Wirtschaft. Wir hören ihn heute aus der Art, in der von vielen ßtellen nach einer neuen Einwanderung gerufen wird, und schon hören wir die Parole „ Ein neues Emek ". Wir hören den phantastischen Zionismus auch in der erbitterten Art des Kampfes gegen die Exekutive, gegen .die von rechts und links noch immer die schärfsten Angriffe gerichtet wer- 35