Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537794-3537796--6785-3544814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

immer nur der zionistische Inhalt einer im Zionismus vertretenen Anschauung .maßgebend sein. Zu unterscheiden davon sind gewisse persönliche Auffassungen über die Art, in der der Mensch sein Leben einrichten soll. Dazu ist zu sagen: Uns verbindet mit der Arbeiterschaft der Zionismus. Es gibt aber Unterschiede auf Grund der verschiedenen Auffassung von der Einrichtung des Lebens. Für große Teile der Arbeiterschaft ist heute maßgebend eine Auffassung des Lebens, die am besten mit dem aus Rußland stammenden Wort vom „kollektiven Menschen" bezeichnet wird. Diese Auffassung wird von weiten Teilen des Zionismus, zu denen z. B. ich mich rechne, nicht geteilt. Deren Lebensideal ist nicht der kollektive Mensch, sondern es liegt in der Freiheit des Einzelnen. Das Ideal stammt aus der Zeit des Humanismus und wird von uns auch für die Zukunft als die richtige Art, in der der Mensch sein Leben entwickeln Solf, festgegehalten. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei gesagt, daß es sich hierbeinicht um Fragen der Wirtschaftstechnik handelt. Darin wird bis zu einem sehr erheblchien Grade Uebereinstimmung zwischen beiden Auffassungen möglich sein. Regelungen der Wirtschaft werden in großem Umfang gerade für den notwendig erscheinen, der die wirkliche Freiheit des einzelnne Menschen ertrebt. Der Anhänger des Gedankens der individuellen Freiheit braucht nicht und darf nicht ein Anhänger des „laisser faire" zu sein. Der beste Beweis wird durch die neue Entwicklung des englischen Liberalismus geliefert. Aber abgesehen von diesen Fragen der Wirtschaftstechnik besteht ein fundamentaler Gegensatz zwischen denen, die das Leben des einzelnen Menschen in Freiheit als das Ziel ihres Lebens ansehen, und jenen, denen das Leben in der Gemeinschaft als das große Ideal erscheint. Diese Gegensätze der persönlichen Auffassung — die ich keineswegs bewerten will, deren Verschiedenheit und deren Vorhandensein ich nur charakterisieren wollte, — dürfen nun für unsere Entscheidung in zionistischen Fragen nicht bestimmend sein, sondern für uns darf immer nur die Beziehung zu den Aufgaben des Zionismus maßgebend sein. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern. Die berühmte Frage der Siedlungsfortn sollte nach meiner Meinung nicht beantwortet werden auf Grund der Auffassung vom Leben, welche diese oder jene Zionisten haben, sondern auf Grund des Wertes der verschiedenen Formen für die Verwirk-? lichung des Zionismus. Die Entscheidung für die eine oder andere Form muß also auf Grund wirtschaftlicher Rechtfertigung erfolgen. Z. B. könnte man für die Form der Kwuzah folgende Ueberlegung anführen. Man könnte die Kwuzah für die landwirtschaftliche Siedlung ablehenen mit der wirtschaftlichen Begründung, daß der Einzelne bei eigener Verantwortung mehr leistet. Der kollektive Mensch wird dagegen die Kwuzah verlangen, weil er in ihr glücklicher lebt; aber das kann für nins flxeine 'Begründung für die Kwuzah sein, sodaß man sich, wenn man die -erwähnte wirtschaftliche Ueberlegung anerkennt, für die Einzelsiedlung entscheiden müßte. In der Stadt dagegen ist die Kwuzah nicht die enge Lebensgemeinschaft, die dem Individualisten auf die Dauer unerträglich erscheint, und vor allem ist hier die persönliche Verantwortung für den wirtschaft- 34

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.