Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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EntwicMungstcndenzesa im Weltztonismus. Karteilt, agsref erat von Moritz Bijeski. Es wäre leicht, ein Referat über Tendenzen im Zionismus zu halten, wenn man anknüpft an die in der Organisation gegebenen Gruppierungen. Dann könnte man in einer schon bekannten Einteilung und mit dem ,Reiz aktueller Polemik die Tagesfragen darstellen. Ich will aber heute absehen von den einzelnen Gruppierungen, soweit in ihnen nicht dauernde Tendenzen, die das Leben des zionistischen Gedankens mit Notwendigkeit entwickelt, zum Ausdruck kommen. Ich will diese Tendenzen darstellen ohne einzugehen auf vorhandene Gruppen, die teilweise gewissermaßen festgefroren c Gefilde darstellen, erstarrte Erinnerungen, denen die Berechtigung wirklichen Lebens fehlt und die anknüpfen entweder an vielleicht unvermeidliche Kämpfe von Führern untereinander oder an einmalige Ereignisse suchen, in denen das Leben des Gedankens sich spiegelt, ich bin nicht des zionistischen Lebens. Ich will mich bemühen, die Strömungen aufzumiißte sich, wenn wir eine fruchtbare Innenpolitik hätten, die Gruppierung in der Organisation vollziehen. Ich bin nicht so optimistisch, zu glauben, daß eine solche Gruppierung tatsächlich zustande kommen wird. De:<n die Widerstände, die von jenen anderen, nicht dem wirklichen Leben der Bewegung entsprechenden Beweggründen der Gruppierung ausgehen, s ind stärker. Aber ich möchte in diesem Referat den Versuch machen, darauf hinzuwirken, daß die von mir erwähnte echte Gruppierung sich \ ollzieht, weil ich glaube, daß wir alle dazu helfen sollten. jUnd'um dieses Versuches willen will ich so tun, als ob eine solche, nach den inneren berechtigten Strömungen der Bewegung sich vollziehenden Gruppierung möglich wäre. Die erste große Auseinandersetzung zwischen zwei Auffassungen, die sich auf Grund des gegenwärtigen Stadiums der Bewegung gegenüber stehen, ist vom Kongreß her bekannt. Sie bezieht sich auf die!Art, .in der die jüdische Wirtschaft in Palästina aufgebaut werden soll. Die eine Auffassung, die bis zum Kongreß das Wirtschaftswerk bestimmt hat, läßt sich kurz dahin charakterisieren, daß wir uns beim Aufbau der Wirtschaft nicht nach unseren Kräften, weder nach den Kräften der Menschen, noch nach den Kräften des Geldes zu richten hätten. Die andere verlangt Anerkennung der Gesetze der Wirtschaft beim Aufbau Palästinas. Die erste Auffassung ist vor einiger Zeit sehr klar in einem Artikel von Naiditsch zum Ausdruck gebracht worden. Schon hier möchte ich auf die Tatsache hinweisen, daß der allgemeine Zionist Naiditsch diese Auffassung am deutlichsten zum Ausdruck gebracht hat, ein Beweis dafür, daß die Strömungen, von denen ich heute spreche, mitten durch die vorhandenen Parteigruppierungen hindurchgehen. Naiditsch stellte in diesem Artikel die russische und die amerikanische Auffassung einander gegenüber, verteidigte die erstere als diejenige, von der der Zionismus allein leben könne, und charakterisierte sie damit, daß sie immer von den Bedingungen der Wirklichkeit abgesehen und sich gegen die Wirklichkeit gestellt hätte. An dieselbe Auffassung erinnert ein Artikel, den Lewinsohn kürz- 32