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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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schwierigen und ernsten Probleme zionistischer Palästina-Politik zu verbergen. Anders steht es mit dem Kommunismus, der in der Tat heute geeignet ist, junge Menschen vom Zionismus fortzulocken. Obwohl theoretisch mit dem nationalen Gedanken wohl vereinbar, bewirkt der Kommunismus infolge seines revolutionären, auf die Zukunft gerichteten Charakters häufig, daß der von kommunistischen Idealen erfüllte junge Mensch in höchster Einseitigkeit alle andern Ideen und Erscheinungen des Lebens ablehnt. So erweist er sich heute in der Praxis häufig als 'ein Hindernis, für die jüdische Jugend, die Judenfrage richtig zu erkennen. Eine besondere Frage ist es, ob die russische Abart des Zionismus, die wir heute an manchen Erscheinungen auch innerhalb des Zionismus studieren können, dem Wesen des Juden entspricht, der nach meiner persönlichen Ueberzeugung individualistisch denkt und handelt. Mit der Frage der kommunistischen Formen der Kolonisation müßten wir uns im Zionismus genauer auseinandersetzen, als es bisher geschehen ist. Ein gewisser Kommunismus ist die Begleiterscheinung jeden Pionierdaseins, Selbst das individualistischste Volk, die Angelsachsen waren Kommunisten, als sie die Urwälder Amerikas erschlossen. Aber für uns handelt es sich ja nicht um diesen Kommunismus des Lagerfeuers. Für uns handelt es sich darum, ob wir den Kommunismus als Lebens- und Wirtschaftsform für die Juden in Palästina bejahen oder ablehnen. Nach meiner Ueberzeugung setzt der Kommunismus, wie wir ihn aus Rußland kennen, eine Primitivität der Wirtschaft voraus, welchie das genaue Gegenteil von dem ist, was wir uns für die Wirtschaft Palästinas in Zukunft {lenken. Ob der Kommunismus als geistige Haltung mit unserem jüdischen und europäischen Wesen vereinbar ist, das ist eine Grundfrage, die wir uns klarmachen müssen, damit wir für uns selbst ein palästinensiches Pjonier-Ideal aufzustellen vermögen, das uns Genüge tut. Damit bin ich am Schlüsse meiner Ausführungen. Ich möchte wünschen, daß die Grundlagen der Bewegung, die ich noch einmal darzustellen suchte, und an denen sich nichts geändert hat, von den 'kommenden Generationen immer aufs neue geprüft und erlebt werden. Der Anfang in Palästina ist gemacht, das Ziel steht fest. Es ist das große jüdische Gemeinwesen, welches Hundqrttausend jüdischer Wanderer aufnehmen soll, und welches zugleich der Ausdruck der neu errungenen Freiheit des jüdischen Menschen aller Länder ist. Wir wollen eine dem Zeitgeist durchaus entsprechende kolonisatorische Tat vollbringen, welche als Leistung der Judenheit auf alle Juden, aber auch auf alle Nichtjudeni zurückwirken soll. Nach wie vor gibt es nur die Wahl zwischen der Assimilation und dem Zionismus, damit der Einzelne und die Gesamtheit zur Lösung der jüdischen Frage vordringen kann. Ich möchte den Wunsch aussprechen, daß die ungeminderte Kraft des zionistischen Gedankens und der zionistischen Tat von uns auf jene jüngere Generation übergeht, die das Glück hatte, zu Beginn ihres zionistischen Daseins die Balfour-Deklaration zu erleben. 31

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