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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Zionismus erfundene Ausweg der Krimkolonisation ist hoffnungslos. Man hat sich auch schon wieder einem neuen Projekt zugewandt und will jetzt im Namen der Humanität die Juden dorthin schicken, wohin früher der Zarismus seine politischen Feinde verbannt hat: nach Sibirien! Ich kann hier nicht die Lage der Ostjudenheit breit ausmalen. Aber jedenfalls steht fest, daß die jüdische Wanderung weitergeht und und noch lange Zeit weitergehen wird, und daß für die jüdischen Massen nach wie vor ein starker Drang nach wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Aufstieg aus ihrer jetzigen Lage besteht. Aus dieser Welt des Ostjudentums, wie sie war und heute noch ist, stammte jener Zionismus Pinskers, den man als den natürlichen Zionismus bezeichnen kann. Die Quellen dieses Zionismus strömen weiter, trotz der immer stärker werdenden Assimilation der Juden im Osten, und vor allem in Amerika, an ihre Umgebung — eine notwendige und natürliche Assimilation, die die Folge der Sprengung der Ghetti ist und durch die Ergebnisse des Krieges und der Revolution gefördert werden mut:j*e. Zu dieser sicherlich noch auf lange Zeit bestehenden Not des Ostjudentums in materieller und politischer Hinsicht tritt jene kulturelle Not, die das westliche Judentum ebenfalls an sich erfahren hat, aber bei w;eitem nicht in solchem Umfang und auf so tragische Yv'eise, wie es bei den großen jüdischen Massen des Ostens der Fall ist. Ich spreche von der Tragödie der blitzschnellen Assimilation im Gegensatz zu der langsameren und damit in ihren Erscheinungen weniger schlimmen Assimilation des Westjudentums. Jene großen Massen, die auf der Wanderung sind, sich plötzlich, kaum dem jüdischen Ghetto entronnen, der russischen oder polnischen Zivilisation oder gar dem Amerikanismus vonheute auf morgen anzupassen streben, jene Massen müssen eine heftige Erschütterung und Zermürbung erfahren, welche die schlimmsten Nach-- Wirkungen auf diese Generation ausüben muß. Man denke an literarische Erscheinungen wie das Buch „Herr Fettwanst", welches diese schlimmen Wirkungen plötzlicher Assimilation jüdischer Volksmassen an Amerika zum Gegenstand hat. Palrum besteht vielleicht heute mehr als je auch für das Ostjudentum jenes „Pejrsönlichkeitsproblem" welches wir seit jeher als Charakteristikum des westlichen Zionismus bezeichnet haben. So sehen wir, daß die eine Grundlage des Zionismus — die Erkenntnis, der Lage der Osltjuden — als ein}e der jüdischen Gegebenheiten nach wije vor besteht. Das Mißlingen des zionistischen Versuchs würde erheblichen Teilen der Juden, denen wir in Palästina im Laufe der Jahrzehnte eine Heimat schaffen wollen, den größten Trost und die größte Hoffnung ihres Lebens rauben. Damit würde die Wanderqual der Juden noch verlängert und der Zersetzungsprozeß des Judentums immer weiter gesteigert ,w erden. Eine lokale Lösung der Judennot im Osten ist ebenso unmöglich wie die Erhaltung jüdischer Kultur nach Auflösung der Ghetti, soferti nicht der Volkskörper wie der Volksgeist durch die zi- 25

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