Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich hätte dazu sehr viel sagen können. Aber ich konnte der Verlockung nicht widerstehen, in meinem Referat unsere Welt so breit wie nur möglich zu verstehen. Denn alles andere ist Technik. Technik, die man beherrschen muß, die aber nicht entscheidend ist. Ein Präsidium darf man nicht wählen auf Grund seiner artistischen Fähigkeiten. Ich bin von der Nutzlosigkeit eines Alltagsprogramms überzeugt. Was nützen mir Programme, wenn das K.J.V. auseinanderfällt, keine Verbindungen da sind? Das Präsidium, das wir vorschlagen, ist auf seine Arbeitsfähigkeit überprüft. Und es ist homogen. Wenn man ein Präsidium, aus zwei verschiedenen Teilen zusammensetzt, ergibt sich ein Tischtennkspiel, bei dem der Ball der Verantwortung von einer zur andern Partei geschlagen wird: keine will ihn aufheben. Man muß vor allem ein Präsidium haben, das sich selbst bejaht. Aus diesem Grunde habe ich 'die lirei Bundesbrüder, die von der anderen Seite in das von mir vorgeschlagene Präsidium aufgenommen werden sollten, abgelehnt. Bei einem Programm kommt es darauf an, wer es ausführt und ich bin der Meinung, idaß die Arbeit bei den von mir vorgeschlagenen Bundesbrüdern in guten Händen liegt. Ich weiß Pollack Dank dafür, daß er ein Gegenpräsidium vorschlägt und dem Kartell so die Möglichkeit einer eindeutigen Entscheidung gibt. Ihr kennt unser Programm, gebt uns die Chance, damit wir wenigstens den Versuch machen können, zu zeigen, daß wir die Arbeit, die Wif (uns zutrauen, auch leisten können. Das Schönste am K.J.V. ist, daß wir uns jederzeit von ihm eine Illusion machen können, daß wir manchmal die Augen vor der Wirklichkeit schließen können, und sagen: Es ist doch unser K.J.V., der dem deutschen Zionismus sein Gerüst und seinen Unterbau gibt. Und weil das K.J.V. uns diese Illusion geben kann, deshalb glaube ich an das K.J.V. und .an fsein** zionistische Zukunft. Nach der Abendpause sprach Richard Lichtheim über „Die Funktion des Zionismus im deutschen Judentum". Es folgte eine kürzere Debatte. Am Montag vormittag wurde von der Kartelltagsopposition dem Permanenzausschuß bekannt gegeben, daß Richard Lichtheim sich entschlossen habe, an die Spitze des gegen Kanowitz kandidierenden Präsidiums zu treten. Im Plenum referierte Moritz B i 1 e s k i über Entwicklungstendenzen im Weltzionismus. An das Referat schloß sich eine längere Debatte an. — Nach der Mittagspause wurden die Anträge abgestimmt. Dann schritt man zur Wahl des Präsidiums. Vorher wurden folgende Erklärungen abgegeben: Lichtheim: Zu einer ausführlichen Programmrede fehlt die Zeit. Ich will deshalb nur kurz entwickeln, weshalb ich für das Kartellpräsidium kandidiere. Ich will das Kartell so führen, daß alle Bundesbrüder mitarbeiten können. Ich bin in die Bresche gesprungen, weil nicht verdiente Menschen von der Mitarbeit ausgeschlossen werden sollen; weil Gesinnungsschnüffelei bei uns keinen Platz hat. Ich glaube auch, fähig zu sein, 20