Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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das Karteil zu führen, dem ich seit 24 Jahren angehöre. Man soll uns nicht drohen mit Spaltungen und Gegenaktionen, kh werde sie nicht zulassen. Meine politische Richtung werde ich im zionistischen Leben vertreten wie bisher, aber ich bin der Auffassung, daß das mit der Führung des Karteiis nichts zu tun hat. Das K.J.V. ist kein Tummelplatz für Parteipoliiiker. Es war stets möglich, im K.J.V. jede politische Ansicht zu vertreten, wenn sie nur zionistisch war. Ich will diesem Grundsatz wieder zur Geltung verhelfen. Meine zionistische Auffassung stimmt in den Grundlagen mit der von Kanowitz überein. Gegensätze bestehen lediglich hinsichtlich der Methode, wie man das Kartell führen soll. Das K.J.V. hat ein zionistisches Programm. Aber dieses Programm wurde in den letzten Jahren nicht ver wirklicht, weil die Voraussetzungen fehlten. Ich will sie wiederherzustellen versuchen und auf dieser Grundlage das Kartell wieder zu einem blindes brüderlichen Kreis von Männern raachen, der ein aktiver und wirksamer Faktor in der zionistischen Bewegung ist. Kanowitz; Es ist für mich sehr schwer hier gegen Lichtheim zu sprechen. Ich kann mich nicht zu der Person Lichtheims äußern und seine 'Eignung zur Führung bejahen oder verneinen. Das ist unserer nicht würdig. Es geht vielmehr um die Grundauffassung. Was ich bekämpfe, ist, daß die Kadidatur Lichtheims nicht organisch aus dem Kartell hervorgegangen, sondern erst in letzter Minute zustande gekommen ist. Durch diese Kandidatur ist kein Fortschritt gegeben. Ich wehre mich gegen ein Präsidium des Kompromisses, das ausbalanciert ist, in welchem das Schwergewicht der Gruppen von vornherein arithmetisch festgestellt werden kann. Ich präsentiere einen Kreis von Menschen, die ich sämtlich für qualifiziert halte. Und ich bin bereit, in einem Präsidium zu arbeiten, in dem auch Gegner sitzen. Aber ich bin nicht bereit, in einem ausbalancierten Gremium zu wirken, dessen verschiedene Kräfte sich gegenseitig hemmen. Auf verdiente Menschen müssen wir immer verzichten können. Es muß auch einmal eine Ungerechtigkeit in Kauf genommen werden. Wir drohen nicht mit der Sprengung des Kartells, aber wir kämpfen um die Durchsetzung unserer Vorstellungen von einem zionistischen K.J.V. Beschlüsse des VIII, Ka« (ciltages. Allgemeine Resolutionen des VI I. Kartelliages» I. Für die zukünftige Arbeit des Kartells hält es der Kartelltag weniger für notwendig, daß dem Kartell für seine Außenbetätigung neue Aufgaben gestellt werden, als daß die Arbeitsinhalte bestimmt werden. Notwendig ist 1) daß die Bundesbrüder nicht nur die Kulturgüter des Judentums in der Vergangenheit kennen lernen, sondern enge Fühlung mit den modernen Strömungen und Richtungen jüdischen Lebens gewinnen. Veranstaltungen derart, wie die jüdische Kulturwoche in Berlin, sind nach Möglichkeit auch anderwärts zu pflegen. Die Instituionen der jüdischen Gemeinden wie Bibliotheken und Volkshochschulen, sind dafür nutzbar zu machen. 21