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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Auch wer sich von jeder Eingruppierung dieser Art frei weiß, muß von dem alten Präsidium Rechenschaft fordern; unmöglich dürfen diejenigen, die bereits seit Jahren an maßgeblicher Stelle stehen, so auftreten, als ob sie jetzt erstmalig die Verantwortung übernehmen wollen. Niemand kann über seinen Schatten springen. Kanowitz geht meines Erachtens von der falschen Voraussetzung aus, daß das sogenannte jüdische Bürgertum sich im weiteren Niedergange befindet und daß das K.J.V. sich deshalb programmatisch an andere Kreise wenden müsse. M.E. erholen sich im Gegenteil diese Schichten, so daß wir, was unser Keilmaterial anlangt, gerade jetzt Anklänge an die Vorkriegszeit finden. Damit die studierende Jugend aus diesen Kreisen wieder zu uns kommt, müssen wir unseren Verbindungen wieder attraktive Kraft geben. Zionismus ist keine bloße Erkenntniswissenschaft, die seminarartig zu unterrichten is*, sondern legitime Fortsetzung der jüdischen Geschichte. Statt unsere jungen Bundesbrüder in diesen, geschichtlich zu begreifenden Entwicklungsprozeß einzugliedern und sie so sicher zu machen, haben wir sie durch ein Uebermaß wechselnder Ideologien und Schlagworte verwirrt. Zu Unrecht werden sie hier schlechtere Zionisten gescholten, weil sie auf Fragen ihres hiesigen Lebens Antworten haben wollen. Diese Antworten muß die Kartellerziehung ihnen finden helfen, allerdings unter zionistischem Aspekt, d. h. in dem Bewußtsein, daß es letzte Lösungen außerhalb Palästinas nicht gibt. Mit den Bundesbrüdern in Palästina müssen wir den engsten Kontakt herstellen und darüber hinaus zu einer Art Gemeinbürgschaft für sie kommen. Foejrder beginnt mit der Feststellung, daß er und seine Freunde in dem letzten Präsidium gewissermaßen nur geduldet gewesen seien. Deshalb hätten sie sich von Anfang an größte Reserve auferlegt. Die andern aber hätten nichts getan als „organisiert". Eine zionistische Diskussion im Kartell hätten sie nicht anzuregen verstanden. Oberster Grundsatz müsse die Einordnung in den Zionismus sein, dessen Werbekraft ungebrochen bestehe. Das Kartell aber habe sich im Zionismus nicht bewährt. 50 der K.J.V.er hätten nicht zum Kongreß gewählt. Von den aktuellen Fragen des Zionismus sei im Kartell nichts zu spüren. Auf die Tagung des C.V., die ein Angriff auf den Zionismus gewesen sei, habe das K.J.V. nicht reagiert. Es sei beschämend, wenn Blumenfeld das junge Kartell anfeuern müsse. Diesen Symptomen des Niedergangs müsse man Rechnung tragen. Das Kartell müsse zionistisch wieder aktiv werden. Man müsse sich in unseren Kreisen von den Menschen abwenden, die durch Sentimentalität in ihrer zionistischen Haltung bestimmt seien. Schloßberg wendet sich gegen die Kritik, die an dem Referat von Kanowitz geübt worden sei. Früher sei man beglückt gewesen, wenn in einer Rede ein Programm aufgestellt worden sei, heute nörgele man daran herum. Man fordere von dem Präsidium, daß es die Geschäfte führe. Das reiche nicht aus. Das K.J.V. brauche keine Geschäftsführer, sondern Führer. Deshalb sei er für Kanowitz und nicht für Silber! Schlußwort Kanowitz: Es war eine nicht ganz richtige Psychologie, daß man mir sagte, ich hätte zu wenig über den Alltag des K.J.V. .gesprochen. I*

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