Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorschlag zu kommen. Wir haben die Verhandlungen im Permanenzausschuß fortgesetzt. Da Kanowitz unsern Vorschlag abgelehnt hat, haben wir uns entschlossen, dem Kartelltag einen zweiten Präsidialvorschlag vorzulegen. Denn wir halten das von Kanowitz vorgeschlagene Präsidium für funktionsunfähig. Ein Wort zu den Ausführungen vor* Bbr. Blumenfeld, Blumenfeld sagte vorhin, alles, was Zionisten in der üaluth schaffen könnten, seien Behelfe. Sehr gut. Aber wenn auch für uns alle — Ich betone ausdrücklich: für uns alle — Palästina letzte Sehnsucht und letzter Zwang unseres Lebens ist, so sind wir doch für Zeit, Viele von uns für dauernd gezwungen, hier zu leben. Wir brauchen daher die Behelfe, um uns abzugrenzen und gegen die Umwelteinflüsse zu behaupten. Es kommt nicht darauf an, das, was in der Galuth [geleistet werden könnte, abschätzig zu werten, sondern darauf, überhaupt etwas zu leisten. Wir glauben nicht, daß der Kreis, dessen Führer im Kartell bisher nichts zu schaffen vermochten, in Zukunft für das K.J.V. etwas leisten wird. Deshalb lehnen wir ihn ab. Kurwitz wendet sich gegen die negative Kritik, die von vielen Bundesbrüdern geübt worden sei. Es gehe nicht an, daß Bundesbrüder ihre eigenen Verdienste in die Debatte werfen. Er habe den Eindruck, als ob die Diskussion nicht durch sachliche, sondern persönliche Momente bestimmt sei. Er warne davor, wieder die persönliche Atmosphäre des vorigen Kartelltags heraufzubeschwören. Es sei notwendig, sich sachlich mit den Ausführungen von Kanowitz zu befassen. Halitzki: Ich möchte mich im wesentlichen auf die Rede von Kanowitz beschränken, die so große Lücken aufweist, wie sie eine Rede des zukünf* tigen Präsiden nicht hätte haben dürfen. Das Kartell wird seine zionistische Aufgabe in qualifizierter und kontinuierlicher Weise nur dann er« füllen können, wenn es als Bund gefestigt und geschlossen ist. Man muß den Versuch machen, in höherem Maße als bisher die menschlichen Inter« essen der Buiidesbrüder im Karteil zu konzentrieren. Nur ein Präsidium wird der Aufgabe gerecht werden können; das in engstem Konnex mit der Aktivitas steht. Vielleicht liegt auch hier die Lösung des Alten-Herrenproblems. Dies ist letzten Endes das Problem des K.J.V Preuß lehnt es ab, ein zionistisches Ritual schaffen zu lassen, nach dem wir dies und jenes zu tun hätten, um als vollwertige Zionisten und K.J.V.er zu gelten. Wer dieses Ritual fordere, schaffe die Gefahr, daß man künftig im Kartell Hebräisch ebenso „betreiben" werde wie Leibesübungen. Es komme auf die zionisitsche Spannung an und die werde nicht durch Forderungen geschaffen, sondern durch das Zusammenleben von zionistischen Menschen. Tuchler: Die Redensart: ich und meine Freunde, mit der viele Bundesbrüder ihre Meinungsäußerung einleiteten, ist dem deutschen politischen Leben entnommen und bedeutet leider auch bei uns nur: „ich und meine politischen Freunde". Diese Floskel ist ein Ausdruck der durchaus unbundesbrüderlichen Gruppierung innerhalb des Kartells, die z. B. dazu geführt hat, daß es eine Gruppe ablehnt, mit Pollack und Silbert zusammen* zuarbeiten, obwohl gerade deren sachliche Eignung erwiesen ist. — 18