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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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sein solle oder nicht. Der jüdisch-nationale Jugendbund und die Kameraden sind zionistischer, als die Bundesbrüder, die heute hier gesprochen haben. Diese Bundesbrüder bejahten zwar ein jüdisches Sondersein, verneinten aber den Zionismus. Sie sind Anhänger von Franz Rosenzweig; zu Buber haben sie sich noch nicht durchgerungen. Die in der Generaldebatte vertretenen programmatischen Forderungen haben nichts mit Zionismus zu tun. Leibesübungen treibt auch der R.J.F. Auch die andern Bünde haben den Sport. Für den Keilfux aber haben sie außerdem noch den besonderen Vorteil, nicht mit Zionismus beiastet zu sein. Jeder Zionismus geht und ging immer davon aus, daß in und durch Palästina .allein (unser Leben neu gestaltet werden kann. Alles, was wir hier in der Galuth tun: Gemeindearbeit, Ortsgruppenarbeit, sogar die Siedlungspolitik im Osten sind Behelfe. Wir tun all das nur aus opportunistischen Gründen., Auch Gemeindepolitik kann nur von den besten Zionisten getrieben -werden, Es wäre falsch, wenn die Resignierten unter uns in der Gemeindearbeit ständen. Die nichtzionistische Welt hat ihre jüdische Basis verändert, aber sie kommt uns dadurch nicht näher. Und wir dürfen uns nie iauf der (mittleren Diagonale einigen, auf einen liberalen Zionismus, für den Palästina dieselbe Rolle spielt, wie der liebe Gott für die Liberalen. Wenn es wahr wäre, daß der zionistische Gedanke keine Werbekraft mehr besäße, so wäre das keine spezifische Frage des KJ.V., sondern der zionistischen Idee. Aber es ist nicht wahr. Allerdings kann an einem Zionismus, wie er hier vertreten worden ist, keinen Juden etwas interessieren. Sähe der Zionismus so aus, dann würde ich nie Zionist werden. Wo sind denn 'die besonderen Aufgaben, von denen hier gebrochen wird? Studentenschaft? Bankette mit Honoratioren-Empfang? Das dürfen wir dem Pro-Palästina- Komitee überlassen. Das hat nichts mit Zionismus zu tun, das sind gesellschaftliche Fragen, ein Versuch zur Einordnung in die jüdische Gesellschaft. Selbstverständlich bejahe ich Zusammenschluß in gewissen Formen. Aber er hat nur opportunistische Bedeutung. Die Wahrheit ist, ihr wollt kleine Ziele, um nicht einmal errötend sagen zu müssen, daß ihr versagt habt. Aber für diejenigen, die nicht können, gibt es doch einen* Trost: daß es anderen gelingt, allerdings nur den wenigsten. Wenn eben nur wenige können, dann müssen die Anstrengungen umso größer sein. Die zionistische Bewegung beruht nicht auf dem Zusammenhang mit Menschen, sondern mit der Sache. Unser zionistisches Schicksal ist, daß wir uns hier unbefriedigt fühlen. Dies ist der Ausgangspunkt der Idee, und es gibt keine Möglichkeit, ihn zu ändern. Es gibt keinen Ausweg als die Unmittelbarkeit des jüdischen Lebens im jüdischen Lande. Wo aber das Ziel Verdunkelt ist, gibt es auch keine Wege. Wir dürfen uns nicht auf die Zufälligen und Unzulänglichen berufen. In der Durchführung des Zionismus gibt es immer wieder Kompromisse und Abstriche, die durch den Augenblick geboten werden. Aber es ist notwendig, daß wir im K.J.V. innerlich dagegen Front machen. Wir brauchen große Ziele und den ganzen Einsatz des Menschen. Ich vertrete diese Auffassung schon lange Jahre und diese Auffassung allein hat den Zionismus und hat das K.J.V. bisher erhalten. {Während dieser Ausführungen verlassen einige Bundesbrüder den Saal.) 14

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