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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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K.J.V. geführt wurde — und eine Formendebatte mit einer rückläufigen Tendenz. Ein K.J.V., das heute eine Diskussion über die Einführung studentischer Formen führen würde, kann keinen Anspruch erheben, von einer nachwachsenden zionistischen Generation bejaht zu werden. Eine Umgestaltung des K.J.V. auch nach einer anderen Richtung tut heute dringend not: es muß eine Absage an die geistige und politische Engerdes K.J.V. erfolgen. Wir sind heute nicht mehr Ausdruck aller lebendigen Kräfte der zionistischen Welt, wir leben abseits von Palästina, abseits vom lebendigen Hebräisch, abseits von der Welt der Arbeiterschaft mit ihren Kämpfen, Wünschen und Hoffnungen. Man spricht heute mit Recht von einer Krise des allgemeinen Zionismus. In diese Krise ist naturgemäß das K.J.V, mit hineingezogen, und sie wird für uns deutsche Zionisten noch dadurch verschärft, daß wir in einer jüdischen Welt leben, die immer substanzloser wird. Wir leben hier fern von den jüdischen Massen, fern von ihren, Lebensformen, fern von Palästina. Es kommt hinzu die geistige Krise des Bürgertums überhaupt, das immer mehr und mehr die Rolle eines Kulturträgers und Kulturschöpfers zu verlieren droht, seine Orientierung immer stärker von wirtschaftspolitischen und nicht mehr weltanschaulichen Faktoren bezieht. Seine Wertmaßstäbe und Lebensformen unterliegen einer immer stär^ keren Amerikanisierung. In solch einer bürgerlichen Welt gedeiht der Zionismus schlecht. Für den deutschen Zionismus und insbesondere für das K.J.V. wirken sich heute die Schädigungen der Inflationsjahre ganz besonders stark aus. Die heutige Altherrengeneration ist durch Krieg und Inflaton in erschreckendem Maße mitgenommen worden. Immer weniger wird sie überpersönlichen Zielsetzungen zugänglich, immer stärker lediglich beherrscht von Fragen der materiellen Existenz und des Lebensgenusses. Aus dieser Krise wird der bürgerliche Zionismus nur herauskommen durch Besinnung auf seinen Wert und seine Funktion, durch Absage an seine enge Welt und Zuwendung zu den Strömen des lebendigen Zionismus, die heute neben ihn und oft 'gegen ihn in der zionistischen Welt vorhanden -sind. Wir werden hier in Deutschland noch auf lange Zeit auf eine bürgerliche ide<alis<tische zionistische Bewegung nicht verzichten können. Ohne ein geistig reifes und politisch geschultes zionistisches Bürgertum werden wir die Kräfte des deutschen Judentums nicht mobilisieren können. Eine lebendige Fortentwicklung unseres Bundes hat zur Voraussetzung eine Vermählung mit Menschen und Vorstellungen der weiten zionistischen Welt, und so müssen wir für das K.J.V. verlangen: 1. Erweiterung unserer Grenzen nach links und rechts, 2. Auseinandersetzung mit dem sozialistischen und traditionell gebundenen Zionismus, mit dem Ziel der Entscheidung für eine dieser Welten oder Bejahung des allgemeinen Zionismus aus innerer Sicherheit, 3. Hebraisierung nicht auf dem Wege der Disziplin, sondern ate Frucht zionistischer Erkenntnis, 4. Palästina-Verknüpfung durch Uebernahme einer tätigen Verantwortung für Mitglieder unseres Bundes in Palästina und durch Einstellung auf persönliche Uebersiedlung, die ja nicht darum endgültig für uns ausgeschaltet zu werden braucht, weil es im Augenblick in Palästina eine Wirtschaftskrise gibt. Ein Bund wie das K.J.V., der sich in die Generationen überbrückt, und der eine Ausweitung seines geistigen und politischen Bezirks dauernd 10

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