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Der jüdische Student · 1928-06-01 · Heft 2 (Juni 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 2 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Immer wieder haben wir versucht, uns der Jugendbewegung zu nähern* immer ohne Erfolg. Unsere Befürchtungen, die wir für den Entwicklungsgang des Blauweiß hatten, haben sich leider allzusehr bewahrheitet. Der Blau-Weiß ist verschwunden, sein Platz innerhalb der zionistischen Jugend ist bisher leer geblieben. Heute muß das K.J.V. versuchen, von sich aus eine zionistische Generation erneut dem Zionismus zuzuführen. Wir haben die Aufgabe, mit einer jungen zionistischen Generation erneut ein Bündnis zu schließen, um unsertwillen und um dieser Jugend willen. Die Entwicklung dieser Jugend, die heute positives Judentum und Gemeindearbeit als zionistische Zielsetzungen empfindet, wird immer weiter von uns wegführen. Hier erwächst dem K.J.V. seine entscheidende Aufgabe. Die Entwicklung der Jugendbewegung in der letzten Phase, die Ueberwindung des bündischen Denkens und die Tendenz zur Anteilnahme am politischen Geschehen lassen uns hoffen, daß eine Koalition zwischen K.J.V. und zionistischer Jugendbewegung heute von größerem Erfolg begleitet sein wird, als es bisher der Fall war. Um dieser Koalition gewachsen zu sein, müssen allerdings in unserem Bunde weitgehende Umwandlungen Platz greifen. Unsere Krise ist keine organisatorische, sondern eine der geistigen und politischen Orientierung. Erneute zionistische Erkenntnis und Antrieb zur Entwicklung werden jedoch nicht nur durch den guten Willen oder durch theoretische Diskussion erfolgen. Auf viele Fragen, auf die wir heute keine Antwort geben können, werden wir antworten können, wenn uns der Zwang des Lebens zwingen wird. Das Hineingehen des jungen K.J.V. in die Jugendbewegung wird uns zwingen, die Fragen der nachwachsenden Generation zu beantworten. In dieser jungen Generation sehen wir keine Zielsetzungen, durch die der Zionismus geistig überwunden ist; wir sehen dort Stehenbleiben auf einer Stufe, die wir als Zionismus ohne Zion bezeichnen müssen. Man übernimmt unsere Zielsetzungen der Erneuerung jüdischen Lebens, aber glaubt, ohne Palästina diesen Prozeß herbeiführen zu können. Jn dieser Jugend sehen wir ferner — analog der Entwicklungstendenz der deutsch-politischen Jugendbewegung — eine unheilvolle Identifizierung der zionistischen Organisation mit einer Partei im Judentum, und bei der wachsenden Abneigung gegenüber den Parteien glaubt man das Recht zu haben, der zionistischen Organisation den Rücken zu kehren. Es mangelt dieser Jugend das Verständnis für die politische Aktion des Zionismus, man glaubt, Kulturbeit als edlere und fruchtbarere Form jüdisch nationalen Lebens postulieren z u müssen. In diese Jugend muß das K.J.V. seine Bundesbrüder, soweit sie geeignet sind, hineinstellen, nicht als Isolierte, sondern als Exponenten des K.J.V. Aus dieser Jugend müssen dauernd neue Kräfte in das K.J.V. hineinströmen. Die Tendenz dazu ist heute bei den älteren Menschen der Jugendbewegung außerordentlich gering. Das K.J.V. erfreut sich dort weitgehender Unbeliebtheit, man hält es für reaktionär, bourgeois, fiochmütig, zionistisch saturiert. Dieser Jugend ein neues, wahres Bild vom K.J.V. zu geben, wird die unerläßliche Aufgabe der nächsten Zeit sein müssen. Die Problemlosigkeit, mit der das K.J.V. in den letzten Jahren dahinlebte, hat diesen Eindruck nur verstärkt. Aus diesem Grunde bedauern wir es, daß als einzige Debatte scheinbar eine „Formendebatte" im 9

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