Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen, an seine künstlerischen Instinkte. Wir bauen unsere Welt, die für uns zeugen soll, wir gestatten ihm, teilzunehmen an dem höchsten Erlebnis* das Menschen vergönnt ist, eine neue Welt zu bereiten! Und wir sind getrieben von dem Bewußtsein, daß wir in Erez Israel eine bessere Welt bauen: wir spüren dort den Segen der Erde, den Adel der Arbeit. Wir leben hier in Europa in einer Welt der Auflösung, die wehrlos und ohne innere Sicherheit dem Ansturm von Moskau und Newyork preis- gegeben ist. So sicher wir sind, daß auch diese Welt ihren eigenen Stil wiederfinden wird, weil sie fest in ihrer Tradition wurzelt, so sicher sind wir, daß wir Juden diesem Ansturm nur gewachsen sein können, wenn wir zu uns selbst zurückfinden. In immer erneuter Kenntnis müssen wir dem jungen Westjuden das Bewußtsein seiner Kultursituation vermittein und ihm durch Zionismus die Sicherheit geben, in dieser Welt zu bestehen. Unsere alten Wahrheiten sind nicht überholt, weder durch Entwicklungen in« nerhalb noch außerhalb des Judentums, nur ist es nötig die Wahrheiten wieder zu lehren, sie dem Einzelnen nahe zu bringen. Elemente der Uebermittlung sind das Studium und das freie Gespräch. Diese beiden Quellen sind heute bei uns fast verschüttet, unsere jungen Bundesbrüder leben von abgeleiteten Erkenntnissen und von Kompendienweisheit und dringen nicht mehr zu den Quellen zionistischer Ideologie vor. Das Wesen unserer Erkenntnis ist darin begründet, daß aus ihr Aktion werden muß. Herzl band beide Welten zusammen, und nur im Zusammenklang werden beide leben. Unser Instinkt muß wach bleiben für die Notwendigkeit der politischen Aktion, sie bleibt oberste zionistische Forderung« Mittel, Menschen und Voraussetzungen für das neue Werden in Erez Israel zu schaffen: das ist d i e Aufgabe unserer Generation. Nur was mittelbar und unmittelbar diesem Werk dient, hat Bestand vor unsern Augen. Von der Teilnahme an der politischen Aktion, von der Solidarität mit ihr gibt es keinen Dispens. Der Träger der Aktion ist die zionistische Weltorganisation; sie ist in einem zerfallenden Galuth unser kostbarstes Gut, sie sammelt die Kräfte des zerstreuten Volkes und konzentriert sie auf Erez Israel, sie versucht, in einem führerlosen Judentum eine neue Autorität zu begründen, Zwischen diesen beiden Polen, Erkenntnis und Aktion, bewegt siclu unser zionistisches Leben, beide sind unserer Verantwortung übergeben, siefsind nur zu retten durch Herstellung der Kontinuität nach unten und nach oben. Nach unten: Eroberung und Aufbau einer zionistischen Jugendgeneration, nach oben: Einmündung dieser Jugend in die zionistische Organisation. Die Erneuerung unseres K.J.V. kann nicht mit Reform und Verbesserung des Bundes beginnen, Konsolidierung des K.J.V. als Parole lehnen wir ab, Erneuerung kann uns nur kommen aus der Uebernahme dieser beiden Funktionen. Das K.J.V. kann nur durch Zionismus gesunden, die Forderung nach zionistischer Erfüllung darf nicht empfunden werden als von außen kommend, aus dem K.J.V. heraus muß sie als selbständige Forderung erwachsen. K.J.V. und Zionismus ist eine Welt. Die Eroberung einer nachwachsenden jüdischen Generation für den Zionismus ist gleichzeitig Lebensfrage unseres Bundes. Von jeher hat das K.J.V. eine unglückliche Liebe zur Jugendbewegung gehabt. 8