Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537794-3537796--6758-3544787- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die Eroberung und Erhaltung einer nachwachsenden jüdischen Generation für die zionistische Bewegung. Wir bekennen uns durch diese Problemstellung zu einer für uns wesentlichen Anschauung über das K.J.V.: daß das KJ.V. um seiner Aufgaben innerhalb der zionistischen Bewegung da ist, und daß es einen ganz bestimmten Platz im zionistischen System zu erfüllen h at. Als diese Aufgabe möchten wir die Herstellung und Sicherung der Kontinuität des zionistischen Geschehens ansehen, und zwar einer Kontinuität im doppelten Sinne: die Kontinuität der Idee und die Kontinuität der politischen Aktion. Zunächst bedeutet die Hersteilung der Kontinuität die Sicherung der Geschlechterfolge für die zionistische Idee. Die Idee als solche ist in ihren Erscheinungsformen im Westjudentum formlos und substanzlos und daher nicht ohne weiteres zu übermitteln. Man wird in sie nicht mit Selbstverständlichkeit hineingeboren. Ein jüdisches Leben, das stündlich automatisch immer wieder mit Sicherheit Zionismus gebiert, ist im Galuth nicht vorhanden. Wir haben eine Erkenntnis zu vermitteln, die ausgeht von der spezifischen Not der westjüdischen Menschen. Diese Erkenntnis führt zu einer Negierung der gegenwärtigen jüdischen Existenzform und zur Postulierung einer grundsätzlich neuen und andersartigen. Neben dieser Erkenntnis wirkt auf Menschen natürlich auch ein Erlebnisfaktor, der aber nicht organisierbar ist. und auf dessen Wirkung wir uns nicht mit Sicherheit verlassen können. Nichts kann uns der Aufgabe entziehen, immer wieder aufs neue unsere Erkenntnis einer nachwachsenden jüdischen Generation zu vermitteln. In dieser Funktion liegt scheinbar etwas Statisches. Immer wieder müssen wir von neuem anfangen, immer wieder kommen Geschlechter^ für die alle gewonnenen Erkenntnisse in Frage gestellt sind; der Fortschritt dieser jüdischen Welt ist nur scheinbar, ihr Jüdischerwerden, ihr Besserwissen eine Fiktion. Auch dem gewonnenen jungen Zionisten müssen wir immer wieder den Mut zur Idee geben, denn unsere Idee kristallisiert keine Formen aus, in denen der Einzelne geborgen bleibt. Die jüdische Substanz, der Träger der jüdischen Energie, die wir als die wirkende Lebensmacht in uns empfinden, und die auf Grund ihrer schöpferischen Leistung keine Rechtfertigung mehr bedarf, ist nur in Amalgarniemngen vorhanden. Das jüdische Volk, der Träger dieser Substanz, ist in seiner Existenz bedroht, heimatlos, rechtlos und wurzellos. Der einzelne Jude ist an der vollen Anteilnahme am Kulturgeschehen gehemmt, weil er des natürlichen Lebenselementes ermangelt, in dem sich individuelle und kollektive Schöpfungen vollziehen. Er spricht und denkt in einer Sprache, die er nicht geformt, er lebt auf einem Boden, in jdem seine .'Vorfahren nicht wurzelten, er setzt eine Geschichte fort, die nicht die seine ist. Die Kontinuität seiner Entwicklung, die Geschlechterfolge, die ihn zeugte, ist unterbrochen. Ueberall regt sich im Juden die Sehnsucht, seinen Urgrund zu erkennen und zu seinem „Urbezirk" zurückzukehren, und so ist es der -Prozeß der Umkehr, der dem wesitjüdischen Zionismus das Gepräge gibt Wir rufen auf zur Rückkehr in den Urbezirk, damit wir wieden aus der Mitte her leben, und wir appellieren weiter an den schöpferischen Trieb im Men- 7