Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Werdegang einer neuen Korporation Von Harry Srago, (Bezirksverband Lettland, A. H.) Im Herbst 1924 wurde in Riga die „Vereinigung zionistischer Studenten Hechawer" gegründet. Die neue Organisation wollte nicht den Weg der Korporation gehen, sondern einen akademischen Zirkel nach dem Vorbilde des alten russischen „Hechawer" bilden. Eine Reihe wertvoller Menschen fand sich in diesem Zirkel zusammen, dessen Diskussionen auf hohem Niveau standen. Bald zeigte es sich aber, daß auch die wertvollste Individualität sich in fruchtloser Diskussion leerlaufen mußte, wenn sie nicht zielbewußt in den Rahmen einer von Disziplin und festem Zusammenhalt beseelten Organisation gespannt wurde. Es entbrannte ein langwieriger Kampf zwischen den individualistischen Neigungen des Einzelnen und der unabwendbaren Notwendigkeit straffer Organisation. Ganz allmählich, anfangs nur tastend, ein wenig verschämt, rang man sich zu den bis dahin perhorreszierten organisationeilen Formen einer studentischen Verbindung durch. Den entscheidenden Wendepunkt in diesem Ringen bedeutete die Bekanntschaft mit dem K.J.V. Hier lernte man einen Typus von Verbindungen kennen, die auf jegliche Assimilation an die äußeren Formen nichtjüdischer Korporationen verzichtet, dabei aber alle Vorteile der korporativen Disziplin und Organisationsfähigkeit in den Dienst der zionistischen Sache gestellt hatten. Der Kampf endete mit dem Siege des K.I.V.-Gedankens, dessen Gegner, 9 an der Zahl, aus dem „Hechawer" austraten. Die übriggebliebenen 15 Mann gingen mit unverminderter Energie den einmal gefundenen und eingeschlagenen Weg weiter. Die junge Verbindung konsolidierte sich nach innen und wuchs nach außen. Die Herzen der K.J.V.er, die nach Riga kamen und sich nach aktivei Betätigung in einer zionistischen Korporation umsahen, gewann sie im Fluge. Im Laufe eines Jahres wurden nacheinander 5 K.J.V.er in ihr aktiv und unterzogen sich mit Lust und Freude den verantwortlichsten Aufgaben. Bbr. Kantor (Hasmonäa, Gießen) war im Herbstsemester 1926 Erstchargierter und ist jetzt Fuxmajor; Bbr. Wischnewsky war in den Herbstsemestern 1926 und 1927 Fuxmajor und im Frühjahrssemester 1927 Erstchargierter; Bbr. Srago ist seit dem Herbst 1927 Leiter des Tendenzkursus. So konnte eine fruchtbare Arbeit geleistet werden, und der Hechawer ist zu einer zionistisch höchst wertvollen Gemeinschaft geworden, die überall am Platze ist, wo es gilt, den zionistischen Gedanken zu verfechten, zionistische Tagesarbeit zu leisten oder die Einheit der Bewegung gegenüber drohender Zersplitterung zu festigen und zu wahren. Das zeigte sich besonders deutlich bei Gelegenheit ^des Besuches des Mitgliedes der Exekutive Bbr. Felix Rosenblüth in Riga, Auch an der hebräischen Kulturbewegung nimmt der „Hechawer" großen Anteil. Abgesehen davon, daß mehrere seiner Bundesbrüder in der hebräischen Arbeit aktiv tätig sind, war der Hechawer auf der im Oktober 1927 in Riga tagenden baltischen Tarbuth-Konferenz durch eigene Delegierte vertreten und hat auch seinen Vertreter in der kürzlich hier ge~ 54