Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 1× ep/1000826
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gründeten hebraistischen Jugendorganisation. Die innere Hebraisierungs- Arbeit schreitet rüstig vorwärts, und man hofft, bereits im nächsten Semester die Konvente hebräisch führen zu können. Der „Hechawer" zählt jetzt etwa 40 Aktive. Im akademischen Leben Rigas hat er sich eine geachtete Stellung errungen. So sandte er zwei Vertreter in den 7-gliedrigen Verwaltungsausschuß der Jüdischen Studentenkasse, die alle jüdischen Studenten umfaßt, und einen der beiden jüdisch-nationalen Vertreter in den Studentenrat (Asta) der Rigaischen Universität. Der kommende Kartelltag wird sich mit einem Gesuch dieser Verbindung um Aufnahme ins K.J.V. zu befassen haben. Vorliegende Zeilen sollen die Bundesbrüder beizeiten über den „Hechawer", mit den Augen eines K.J.V.ers gesehen, informieren. Es wird gut sein, wenn der Kartelltag trotz aller internen Nöte und Sorgen sich nicht die Gelegenheit entgehen läßt, sich eine wertvolle, ihm an Geist und Erziehung nahe verwandte Position im Baltikum zu sichern. Wiederaufnahmegesuche. Wir freuen uns mitteilen zu können, daß die Wiederaufnahmegesuche der ehemaligen Bundesbrüder Kilian Bluhm, Kurt Lichtenstein, Hermann Abraham, Karl Stilmann genehmigt worden sind. Herr Dr. Werner Bloch, Sekretär der Zionistischen Exekutive, zurzeit Riga, bittet um Wiederaufnahme in das Kartell. Eventuelle Einsprüche sind binnen 14 Tagen beim Präsidium einzureichen. | Walter Cohn | Am 8. Dezember ist Bbr. Walter Cohn (V.J.St. Jvria Heidelberg A.H.) einem längeren, schweren Leiden im Alter von 36 Jahren erlegen. Mit ihm ist aus unserem Kreise ein Stiller, aber ein Treuer gegangen. Er kam zu uns aus einer abgesehen von seinem Elternhaus völlig unjüdischen Umgebung. Vielleicht gerade aus diesem Grunde fühlte er in sich seines jüdischen Wesens Kern und suchte deshalb, eben von der Schule weg, Anschluß an jüdisch-nationale Kreise. Er wurde im Sommer 1911 in Marburg aktiv und zeichnete sich in allen Verbindungen, in denen er seine Universitätszeit zubrachte, durch seine aufrechte Gesinnung und durch seine hohe Auffassung von der Bundesbrüderlichkeit aus. Schon bei Beginn seiner Studien stand es bei ihm fest, daß er Neurologe werden wollte. Bereits in früher Beschäftigung mit den schweren Fragen des seelischen Geschehens zeigte er sich als eine wahre Grüblernatur, der selbst die angeblich so einfachen Dinge dies täglichen Lebens zum Problem wurden^. Nicht das Oberflächliche und allen Offenbare, das mitunter nur Schein ist, bedeutete ihm Entwirrung, sondern hier fing für ihn erst das Rätsel an und von hier suchte er hinter das Geheimnis des psychischen Erlebens zu kommen. Für ihn war es daher folgerichtig, daß er sich der psycho-analy- 55