Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537794-3537795--6727-3544755- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
könne, wenn wirtschaftlich mehr erreicht sei. Mit der letzteren Meinung kann man sich abfinden, der ersten müssen wir widersprechen. Das bedeutet allerdings nicht, daß wir etwa ein Interesse daran haben, zur Zeit grundsätzliche Erklärungen über das politische Ziel des Zionismus von Seiten Englands zu provozieren. Aber vielleicht haben wir Grund zur Aufmerksamkeit. An einer anderen Stelle spricht Near East von den gegenüber der ursprünglichen Auffassung des Zionismus bescheideneren Plänen, aus Palästina einen binationalen Staat zu machen, „auf der Basis gleichmäßiger Vertretung von Arabern und Juden", oder einen Teil Palästinas als ausschließlich jüdisches Land abzugrenzen. Auch hier zeigt sich, wie es scheint, die Absicht, politisch bescheidenere Möglichkeiten der Realisierung des Zionismus hervorzuheben. Diese Andeutungen können wir (wenn es Andeutungen sind) nicht ohne Bedenken aufnehmen. Die Verkleinerung des politischen Zieles würde die Anziehungskraft des Zionismus schwächen, besonders in einer Zeit, wo das Krimprojekt dem Judentum wieder große Zahlen offeriert. Wii kennen die Ueberlegenheit sehr gut, die aus nationalpolitischen Gründen Palästina immer vor den russischen Plänen haben wird. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, daß der Zionismus ein politisches Ziel von einer gewissen Größe braucht, daß zu große Beschränkung in dieser Beziehung dem Zionismus seinen Sinn nimmt, der in der Befreiung \und Erlösung >des Volkes liegt. (Anmerkung: Der binationale Staat braucht, wenn er uns Möglichkeiten der Entwicklung offen läßt, diesem Erfordernis einer gewissen Größe des politischen Zieles durchaus nicht zu widersprechen, kann vielmehr sein vernünftiger Ausdruck sein.) Wir können Schritt für Schritt vorwärts gehen, aber wir dürfen unsern Weg nicht dadurch abkürzen, daß wir eine Uebernachtungsstation für unser Ziel erklären. Sonst könnte man uns fragen, wozu wir eigentlich die beschwerliche Reise angetreten haben. Vielleicht haben diese Versuche der Darlegung eines politischen Kleinzionismus auch den Sinn, uns auf eine neue Stufe der Entwicklung im politischen Status Palästinas vorzubereiten. Wir müssen immer darauf gefaßt sein, daß die Frage der Landesvertretung wieder Gegenstand der praktischen Diskussion wird. Will man uns vielleicht schonend ankündigen, daß hier demnächst irgendein Schritt getan werden soll, der geeignet ist, die politische Zukunft Palästinas für eine sicher nicht geringe Zeit festzulegen, und zwar in einer Art, die mit der „ursprünglichen Auffassung des Zionismus" nicht verträglich ist? Das sind — bis jetzt — nur Fragen. Die Aeußerungen des Near' East werden ergänzt durch recht häufige Auslassungen der arabischen Presse über die Notwendigkeit eines palästinensischen Parlaments. Ueber diesen Fragen soll keineswegs die entscheidend wichtige Tatsache vergessen werden, daß gerade in dieser Frage des Parlaments England bisher stets mit Festigkeit sich zu einer Politik bekannt hat, die uns die notwendige Chance einer freien Entwicklung des jüdischnationalen Heims sichern soll. 2. Arabien. Die Anzeichen eines Ausgleichs zwischen Mandatarmacht und Landesbevölkerung in Syrien verstärken sich. Der syrische Mini- 37