Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 1 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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ebenso sehr wie in den freiheitlichen Gruppen der einzelnen Universitäten. Akut würde dann die Frage einer Kooperation der im ganzen Reich organisierten und zusammengefaßten jüdischen Gruppen mit den positiv jüdisch eingestelltem Studenten D>eutschösterreichk wierden. Die Lösung der Frage erscheint ebenso dringlich wie die eines stärkeren Einflusses des Kartells auf den Weltverband jüdischer Studenten. Es ist auf die Dauer unmöglich, sich bei allen Kongressen und Konferenzen des Weltverbandes durch Gruppen vertreten zu lassen, die keineswegs legitimiert sind, für das Kartell zu sprechen. Es ist auf das dringlichste zu wünschen, daß auf die Frage, welche Stellung das Kartell in Zukunft zu dem Gesamtproblem der Beteiligung an der Studentenpolitik nehmen will, endlich eine eindeutige Antwort gegeben wird, und daß der Kartelltag entscheidend zur Klärung der Situation beiträgt. Berichte Material zur außenpolitischen Lage *) 1. England. Die letzten Nummern des „Near Hast'1 enthalten an mehreren Stellen Aeußerungen über das politische Ziel des Zionismus. Ein längerer Aufsatz dient einer entschiedenen und wirksamen Verteidigung der Auffassung, daß das Wachstum des nationalen Heimes als ein Erfolg anzusehen sei, und daß Rückschläge der Entwicklung nichts gege ndas anzusehen sei, und daß Rückschläge der Entwicklung nichts gegen das schließliche Gelingen bewiesen. In diesem Aufsatz, (der übrigens nachdrücklichst darauf verweist, daß die Errichtung des nationalen Heimes eigene Aufgabe der Juden sei, „während Großbritannien die Rolle des Polizisten spielt,") wird überlegt: Ist für einen Erfolg des Zionismus notwendig eine jüdische Majorität, der die Mehrheit des Bodens gehört? Dieses Ziel wird nicht gerade ausdrücklich abgelehnt, aber auch nicht als notwendig anerkannt. Vielmehr wird ihm als „ausführbare Form" des Zionismus die Schaffung eines Mittelpunktes für intensive Pflege jüdischen Lebens gegenübergestellt, eines Mittelpunktes, in dem ein vollständig nationales Leben existiert. Diese Gegenüberstellung verzichtet wohl mit Absicht auf einen politisch präzisen Ausdruck. Die Formulierung ist sichtlich bemüht, weitergehende Möglichkeiten offen zu halten: Die Schaffung des Zentrums ist zunächst das Ziel, die Juden werden auch darauf verwiesen, daß von der Größe des Heimes, das sie bauen würden die Größe der Familie abhänge, die sie unterbringen könnten. Es ist nicht recht zu erkennen, ob die vom Near East vertretene Ansicht den Zionismus wirklich und endgültig auf ein politisch anspruchsloses (und daher weniger aufreizendes) letztes Ziel verweisen, oder diese bescheideneren Formen im Interesse der Ruhe für eine Uebergangszeit entwickeln will, mit der Andeutung, daß politisch mehr gewährt werden *) Mit Genehmigung des Verfassers den Mitteilungsblättern des Linken Zentrums entnommen. 36